Musikgeschichte
Ein Musiker mit europäischem Ruf

Immer wieder zeigt sich, dass selbst kleine Thüringer Dörfer die Heimat außergewöhnlicher Persönlichkeiten waren. Was heute beschaulich erscheint, war nicht selten der Ausgangspunkt bemerkenswerter Lebenswege. Zu diesen Persönlichkeiten zählt Gottlieb Theodor Ludwig Krause, dessen musikalisches Talent ihn bis in die bedeutendsten Kulturzentren Europas führte.
Gemäß Kirchenbuch von Großneuhausen wurde Theodor Ludwig Krause am 31. Mai 1822 in Großneuhausen geboren. Seine Kindheit verbrachte er zunächst dort, bevor die Familie nach Vogelsberg zog. Er wuchs in einem Elternhaus auf, in dem Musik den Alltag prägte und über Generationen weitergegeben wurde.
Sein Großvater Johann Gottlieb Valerius Krause war Kantor und Organist in Teutleben, sein Onkel Johann Daniel Krause übte dieselben Ämter in Kleinkromsdorf aus. Krauses Vater, Johann Carl Friedrich Krause, wirkte zunächst als Kantor und Organist in Großneuhausen und später in Vogelsberg. Darüber hinaus war er ein angesehener Lehrer, versierter Orgelspieler und Kenner des Orgelbaus. Mit Konzerten in zahlreichen Orten der Umgebung, bis hin nach Apolda, trug er wesentlich zum Musikleben der Region bei und genoss weit über das Großherzogtum Weimar hinaus hohes Ansehen.
Obwohl Theodor Krause später an vielen Orten Europas lebte, blieb Vogelsberg der Mittelpunkt seiner Familie. Aus den Kirchenbüchern ist ersichtlich, dass seine Eltern und mehrere Geschwister dort, wohnten und wann immer sich die Gelegenheit bot, kehrte er in seine Heimat zurück. Die enge Verbundenheit mit dem Ort blieb sein Leben lang bestehen.
Wie stark diese Verbindung wahrgenommen wurde, zeigt eine interessante Notiz des Komponisten Robert Schumann. In seinem Tagebuch bezeichnete er Krause als einen Musiker aus Vogelsberg. Auch wenn dessen Geburtsort Großneuhausen war, verdeutlicht diese Bemerkung, welche Bedeutung die familiäre Heimat für seine Identität besaß.
Sein außergewöhnliches musikalisches Talent zeigte sich bereits früh. In Weimar soll Krause schon im Alter von neun Jahren unter der Leitung des berühmten Hofkapellmeisters und Pianisten Johann Nepomuk Hummel öffentlich aufgetreten sein. Später erhielt er Unterricht bei dem angesehenen Organisten und Musiktheoretiker Johann Gottlob Töpfer, der seine Ausbildung entscheidend förderte.
Vermutlich auf Vermittlung Töpfers gelangte Krause im Alter von siebzehn Jahren nach Paris. Dort studierte er unter anderem bei dem renommierten Klavierpädagogen Friedrich Kalkbrenner. Anschließend führten ihn Konzertreisen durch Russland, Schweden, Dänemark, die Niederlande, Frankreich, Italien und zahlreiche deutsche Städte. Überall wurde sein virtuoses Klavierspiel mit großem Beifall aufgenommen.
Im Jahr 1842 trat Krause im Leipziger Gewandhaus als Pianist auf und führte bereits den Titel „Kammervirtuose Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin von Parma“. Auch Robert Schumann erwähnte diesen Titel in seinen Aufzeichnungen. Bereits im Alter von neunzehn Jahren soll Krause die Hofkonzerte in Parma geleitet haben. Dort gewann er das Vertrauen und die Wertschätzung der Großherzogin Marie Louise, der zweiten Ehefrau Napoleons I., die ihn zum Kammervirtuosen ernannte – eine außergewöhnliche Auszeichnung, die seine internationale Anerkennung unterstreicht.
Im Jahr 1853 ließ sich Theodor Krause in Münster nieder und widmete sich verstärkt der musikalischen Ausbildung. Gemeinsam mit dem Komponisten und Pianisten Bisping gründete er ein Musikinstitut, das mit zwölf Klavieren ausgestattet war. Gleichzeitig entstanden bedeutende eigene Kompositionen, darunter das „Große Sinfonie-Concert für das Pianoforte und großes Orchester oder Quintett“ sowie die „Große Sonate für die Orgel“.
Am 13. März 1868 endete sein bewegtes Leben in Münster und im Kirchenbuch von Münster steht, dass er an einem organischen Gehirnleiden verstarb.
Auch wenn sein Wirken weit über Thüringen hinausreichte, bleiben Großneuhausen und Vogelsberg untrennbar mit seinem Namen verbunden. Gottlieb Theodor Ludwig Krause steht beispielhaft für die vielen außergewöhnlichen Persönlichkeiten, deren Wurzeln in kleinen Dörfern liegen und deren Lebensleistung bis heute Anlass zu regionalem Stolz und historischer Erinnerung gibt.

Autor:

Ines Telle

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.