Weltliche Choralmusik

Sollen auch weltliche Lieder in den Gottesdiensten der Gemeinden gesungen werden? Katja Schmidtke hat bei Kirchenmusikern in Anhalt nachgefragt.

Kirchenmusiker Sebastian Saß aus Bernburg antwortet: Ich halte sehr viel von neuen Liedsammlungen, wenn sie im Leben der Gemeinden (das ist nicht nur der Gottesdienst) Fuß fassen können. Unsere Lieder brauchen – Gott sei Dank! – sehr lange, sich zu bewähren und ihren Schatz mehr oder weniger offenzulegen. »Weltliche« Lieder haben meiner Meinung nach im EG nichts zu suchen. Hier sollten nur Lieder zu finden sein, die sich bewährt haben, die schon einige Jahre, Situationen und Erfahrungen mit sich herumtragen.
Einzuschätzen, was als »weltliches« Lied gelten muss, ist ein schwieriges Unterfangen. Eine solche Einschätzung hängt immer auch von dem Zusammenhang (zum Beispiel Kasualien) ab, in dem es genutzt wird. Letztlich ist die einzelne Gemeinde (was ihren Gottesdienst betrifft) auch in dieser Frage tonangebend und sind die Profis durchweg professionell genug, mit der Problematik umzugehen.

Seine Kollegin Martina Apitz aus Köthen äußert: Ich würde spontan sagen, dass wir in unseren Liederbüchern geistliche Songs drucken sollten. Es gibt doch wirklich genug davon. Meinetwegen auch geistliche Volkslieder wie »Kein schöner Land«.
Aber die Fußballhymne gehört nicht zu unserem Liedgut! »Tears in Heaven …« ist vielleicht sogar spirituell, könnte also rein. Weil immer mehr Leute englisch können, sind englische Popsongs auch willkommen, sollten aber nicht überhand nehmen…

Kreiskirchenmusikwart Hans-Stephan Simon aus Dessau meint: Noch vor 100 Jahren war die Trennung zwischen »geistlicher« und »weltlicher« Musik nicht so sehr im Fokus wie heute. Was macht ein Lied zum »geistlichen« Lied? Weil der Bezug zu Gott oder Jesus verbalisiert wird? Früher stand die Frage nicht so vordergründig im Raum, weil das Leben wesentlich stärker vom Glauben geprägt war. Wie wir wissen, ist das heute nicht mehr so. So genannte Geistliche Volkslieder veranschaulichen uns dies.
Wenn wir auf neuere Lieder blicken, die durchaus auch in der Kirche und in Gottesdiensten Verbreitung gefunden haben, entdecken wir auch welche ohne direkten Gottesbezug, zum Beispiel »Freunde, dass der Mandelzweig«. Das Leben besteht aus vielen Facetten, und wenn ein Lied eine wichtige Funktion hat, sei es, weil es einfach viel und gern gesungen wird und dazu noch mit ansprechender Poesie und Melodie daher kommt, warum sollte es nicht mal im Gottesdienst vorkommen. Lieder haben ja neben ihrer liturgischen und glaubensaussagenden Funktion auch die Aufgabe, unsere uns umgebende Welt widerzuspiegeln. Sind wir mit dem »Verstehenkönnen« unserer geistlichen Lieder nicht auch oft sehr weit entfernt von dem, was uns im Alltag umfängt?
Wenn es gute Gründe gibt, ein Lied ins Gesangbuch aufzunehmen, welches die Vielfalt und die Schönheit unseres »Glaubens«-Lebens aufnimmt, warum nicht. Gottes Vielfalt tritt nicht nur zutage, wenn sein Name erwähnt wird.

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