Probeliegen, Radfahren, Baum pflanzen

Bilder einer Tour durch Mitteldeutschland: Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au machte sich vor Ort ein Bild von den Vorbereitungen der Kirchentage auf dem Weg: beim Probeliegen in Dessau-Roßlau, mit dem Rad am Elbeufer, bei der Pflanzung einer Luther-Eiche in Weimar-Süßenborn.
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  • Bilder einer Tour durch Mitteldeutschland: Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au machte sich vor Ort ein Bild von den Vorbereitungen der Kirchentage auf dem Weg: beim Probeliegen in Dessau-Roßlau, mit dem Rad am Elbeufer, bei der Pflanzung einer Luther-Eiche in Weimar-Süßenborn.
  • Foto: Johannes Killyen; r2017; Dietlind Steinhöfel
  • hochgeladen von EKM Süd

Über den Stand der Vorbereitungen für die Kirchentage auf dem Weg informierte sich Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au kürzlich auf einer Tour durch Mitteldeutschland. Willi Wild unterhielt sich mit ihr in Weimar über ihre Motivation und ihre Eindrücke.

Warum waren Sie als Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Mitteldeutschland unterwegs?
Aus der Au:
Ich bin auch die Präsidentin der Kirchentage auf dem Weg. Es interessiert mich sehr, wie sich das Experiment Kirchentage auf dem Weg vor Ort entwickelt. Es ist gut, dass der Kirchentag im Reformationsjahr nicht nur mit Mega-Events in Berlin und Wittenberg gefeiert wird. Die Reformation hat sich damals ja auch an verschiedenen Orten unterschiedlich entfaltet. Die Kirchentage auf dem Weg haben Lokalkolorit und sind geprägt von den Menschen, den Orten, den Traditionen und der Geschichte. Das finde ich total schön. Das ist mir wichtig.

Kritiker glauben, es werde schwer für die regionalen Kirchentage, sich gegenüber dem großen Kirchentag in Berlin zu behaupten. Wie sehen Sie das?
Aus der Au:
Nach Berlin kommt, wer immer schon auf Kirchentage gegangen ist. Meine Hoffnung ist, und das hat man mir in den Gesprächen vor Ort bestätigt, dass die Kirchentage auf dem Weg ein anderes Publikum anziehen. Beispielsweise Partnergemeinden aus anderen Landeskirchen oder Menschen, die am Himmelfahrtswochenende sowieso nach Weimar oder Magdeburg reisen. Das ist doch eine wunderbare Empfehlung für Städtereisende, noch ein kulturelles und gesellschaftspolitisches Zusatzprogramm zu bekommen. Aber auch die Menschen, die in den Kirchentags-Städten und drumherum wohnen, können ganz neue Angebote in ihrer Stadt ausprobieren. Das hat einen nachhaltigen Aspekt. Menschen lernen sich kennen und kommen mit Kirche und Glaube in Berührung.

Über die Nachhaltigkeit wird derzeit unter Theologen gestritten. Da wissen die einen jetzt schon, dass eine große Chance vertan wurde. Die andere Seite spricht von Ignoranz gegenüber den Aktivitäten im Reformationsjahr.
Aus der Au:
Man sollte sich nicht nur auf das Historische konzentrieren: Was hat Luther gewollt und wie war das vor 500 Jahren? Mir geht es eher darum, zu fragen: Was heißt denn das für uns heute, das Evangelium? Das sagt sich so leicht. Aber was müssen denn die Menschen heute hören oder was sollen sie hören? Bestimmt nicht, wie bekomme ich einen gnädigen Gott.
Heute ist doch eher die Frage, wie wir miteinander umgehen, wie wir kommunizieren. Allein das Nachdenken über das Reformationsjahr in den Gruppen vor Ort hat sich schon gelohnt. Womit wollen wir an die Öffentlichkeit treten? Mit welchen Worten wollen wir auf die Kirchentage auf dem Weg aufmerksam machen. Es geht nicht nur um die großen Schlagworte, sondern auch darum, was an der Basis passiert. Da ist schon ganz schön viel in Bewegung!

Sie waren an der Basis, haben eine Luther-Eiche gepflanzt und sind mit dem Fahrrad die Elbe entlang gefahren. Was wollen Sie damit bezwecken?
Aus der Au:
An der Elbe konnte ich schon vorab testen, was die Kirchentagsbesucher erleben werden: die Gegend erkunden, den Wind spüren, Menschen begegnen. Und es ist mir wichtig, all die theoretischen Überlegungen auch greifbar zu machen.
Die Eiche ist ja ein Baum, der sehr langsam wächst und sehr alt wird. Wir brauchen einen großen Horizont und einen langen Atem.

Sie haben die Mitarbeiter der Kirchentage auf dem Weg um eine offene Debatte gebeten. Wie gehen Sie mit den kritischen Stimmen um?
Aus der Au:
Es ist gut, einen Eindruck von der Stimmung vor Ort zu bekommen und zu hören, wo die Begeisterung groß ist und wo der Schuh noch drückt. Mich beeindruckt das unglaubliche Engagement. Da kann ich sagen: Echt, Hut ab! Und ich freue mich sehr
darüber.
Es wurde ein grandioses Programm auf die Beine gestellt und nun wollen wir gemeinsam dafür sorgen, dass auch viele Menschen davon erfahren, damit sie es nicht verpassen. Diese Aufgabe nehme ich mit.

Die Prognosen für die Besucherzahlen werden zum Teil nach unten korrigiert. Es gab auch Stimmen, die zu einer Absage einzelner Kirchentage auf dem Weg geraten haben. War das für Sie eine Option?
Aus der Au:
Nein, das wäre ein falsches Zeichen. Alle Ideen und die Vorarbeit, die bislang geleistet wurde, sollten für die Katz gewesen sein? So sollte man die engagierten Menschen nicht frustrieren.
Wir sind immer versucht, in Zahlen zu denken. Meines Erachtens ist es besser zu versuchen, etwas zu bewirken. Und dann zu schauen, wie strahlt das aus und was haben wir gemeinsam erreicht.
Ich bin von Natur aus Optimistin. Jede Stadt für sich hat eine eigene Ausstrahlung und ich glaube, dass sich die Besucher anstecken lassen von dem, was hier zum Blühen kommt. Wenn wir in zehn Jahren zurückschauen, werden wir sagen: Weißt du noch, es war zwar zwischendurch auch mal hart, aber es hat sich gelohnt.

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