Wort zur Woche
Kirche ist kein Verein, sondern ein Stück Himmel auf Erden

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12, Vers 32

Von Pfarrer Andreas Müller, Direktor Marienstift Arnstadt

Wozu ist die Kirche da? Wozu weht der Heilige Geist durch unsere Institutionen und durch unsere Köpfe und lässt sich trotz aller Gottlosigkeit der Welt nicht zum Schweigen bringen? »Wir sind Kirche für Andere«, so heißt eine beliebte zeitgemäße und allgemein verständlich scheinende Antwort der Christen, die wir sehr rasch in den Mund nehmen, vielleicht auch um uns vor der Welt zu rechtfertigen.
Im Wochenspruch aus dem Johannes-Evangelium höre ich etwas anderes. Da geht es zunächst nicht um die Anderen, sondern um uns selbst. Wir Christen haben es mit unserem Glauben und Hoffen alltäglich schwer genug. Damit wir uns Glauben und Hoffnung bewahren, brauchen wir Abstand, brauchen wir immer wieder den Blick des auferstandenen Herrn von oben herab auf unser Leben, auf unsere Erde. Denn die letzten Rätsel unseres Daseins lösen sich nicht im erfolgreichen oder erfolglosen Engagement in unserer weltlichen politischen Gesellschaft. Die Fragen nach dem Woher und Wohin, nach Schuld und Vergebung, beantwortet mir das Glaubensbekenntnis. Es sagt mir, dass ich Gottes geliebtes Kind bin und bleibe.
Ohne diese Zusage, ohne den Trost des Heiligen Geistes, bin auch ich als Christ und Kirchenmitglied in der Welt so umhergetrieben, orientierungslos und um mich selber kreisend wie jeder andere. Nur, wer seinen Kopf wieder und wieder nach dem Himmel streckt, kann hier auf Erden engagiert und voller Nächstenliebe politisch handeln. Unsere Kirche ist darum kein »Verein«, sondern eine durch Wort und Sakrament getragene Gemeinschaft, in der wir, weil Gott gegenwärtig ist, Halt und Trost finden dürfen.
So erstaunlich das klingt, unsere Kirche ist schon ein kleines Stückchen des Himmels auf Erden. Wenn Christen in ihr Trost und Halt finden, können sie gar nicht anders, als sich für Bedrohte, Ausgegrenzte und Fremde einzusetzen. Sie können auch gegen den Strom schwimmen, weil Gott ihnen hilft, den Kopf über Wasser zu halten.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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