Bericht zur Frauenwerkstatt im KK Apolda-Buttstädt
Verletzlichkeit zeigen

Es ist Donnerstag, 17. Juni 2021, und ich sitze im Zug nach Apolda. Nach dem Lock-down ist es seit langem die erste Frauenwerkstatt in einem unserer Kirchenkreise, die präsentisch stattfindet und zu der ich als Referentin für Frauenarbeit bei den Ev. Frauen in Mitteldeutschland anreise. Das Treffen 'Frauen für Frauen' findet in der Lutherkirche Apolda statt, in der uns kühle Temperaturen erwarten. Fast 20 Frauen haben sich einladen lassen, um sich über den Film 'Frauen unter Druck' aus der ARD Mediathek auszutauschen und ihre Erfahrungen mit Körper, Karriere und Kindern miteinander zu teilen. Wie spürbar wird ein Thema, das unter die Haut geht. Neben der eigenen Lebensbiografie werden auch Fragen von Geschlecht, Generation und Sozialisation auf den Tisch gebracht. So wird zum Beispiel thematisiert, wie schambesetzt oder freizügig das eigene Elternhaus war, welche Erfahrungen Frauen aus Ost und West mit Kinderbetreuung und ungleicher Bezahlung gemacht haben oder was die Anwesenden sich für die Frauen von heute wünschen. Deutlich wurde aber auch, wie schwer wir uns manchmal damit tun, solidarisch zu denken und zu handeln. Wenn Frauen zum Beispiel sexuelle Ausbeutung ertragen müssen, um in der Filmbranche dieselben Chancen zu haben wie ihre männlichen Kollegen, wie urteilen wir dann über die Betroffenen?

Ich selbst merke, wie mich der Film und auch die Gespräche nachdenklich stimmen. Mir wird deutlich, wie wichtig es ist, von den anderen zu hören und miteinander zu reden. Es herrscht eine große Offenheit, die sich auch bei den Gesprächen rund um das köstliche Buffet, für das die Kirchengemeinde Apolda mit Elke Albrecht und Helferinnen sorgte, fortsetzen. In den Gesprächen wird deutlich, dass hier nicht nur „Frauen für Frauen“ zusammen sind, sondern Frauen, die sich auf ganz vielfältige Weise für andere einsetzen: als Kirchenführerinnen, als ehrenamtliche Koordinatorin einer Konflikt-Hotline, als Frauengruppenleiterin, als Klavierlehrerin in Rente und anderes. Ich staune über die Fülle der Talente, die so bunt sind wie das reichhaltige Buffet.

Gerne hätte ich am Ende noch einmal den Gottesdienst gefeiert, mit dem wir den Abend begonnen haben. In dem Gottesdienst führte Pfarrerin Denise Scheel aus, wie das Gefühl von Scham uns in die Isolation bringt. Scham kann durch Offenheit überwunden werden, aber auch durch ein liebevolles Umfeld und den Zuspruch, angenommen und geliebt zu sein. So gibt uns Pfrn Denise Scheel Folgendes mit auf den Weg: „Adam und Eva müssen den Garten Eden verlassen. Aber sie leben nicht ohne Schutz. Gott selbst näht für sie Kleider. Was für eine liebevolle Geste! Gott sieht die Nacktheit der beiden, aber er verletzt ihre Grenze nicht. Gott sieht uns, wie wir sind. Aber er verurteilt uns nicht. Er hilft uns, mit der Scham zu leben. Die Kleider, die Gott uns anzieht, sind gewoben aus Liebe und Achtung. Und die sind unabhängig von allem, was wir an Gutem oder Bösem tun. Wir bleiben wunderbar gemacht.“

Bereichert und beschenkt fahre ich gegen 21 Uhr wieder mit dem Zug zurück nach Halle.

Bericht und Fotos: Simone Kluge
Ev. Frauen in Mitteldeutschland
simone.kluge@ekmd.de
www.frauenarbeit-ekm.de

Autor:

Simone Kluge

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