Uhr in der Kur

Hans-Martin Ilse an der restaurierten Kirchturmuhr
  • Hans-Martin Ilse an der restaurierten Kirchturmuhr
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Historisches Kulturgut in Flemmingen saniert

Von Constanze Matthes

Exakt 154 Jahre lang hat sie im Naumburger Ortsteil Flemmingen verlässlich die Zeit angezeigt, aber die historische Kirchturmuhr ist in die Jahre gekommen. Was nicht heißt, dass Gemeinde und Einwohner auf sie verzichten wollen. Im Gegenteil. »Wir haben uns bewusst entschieden, an dem historischen Uhrwerk festzuhalten«, betont Hans-Martin Ilse vom Gemeindekirchenrat. Für eine mehrmonatige Kur war sie kurzerhand verzogen – in die Werkstatt des Glocken- und Turmuhrenservice Willing bei Erfurt. Hier wurde sie gereinigt, repariert und neu gestrichen.
Ein wenig Elektrik kam hinzu. »Wir wollten uns fortan das tägliche Aufziehen ersparen«, sagt Ilse. Schon vor einem Jahr führte er deshalb ein Gespräch mit Richard Knauf. Der 81-Jährige kümmerte sich seit Ende der 1950er-Jahre um die Uhr aus der Werkstatt von Kersten & W. Söhne aus Bad Dürrenberg, in der letzten Zeit gemeinsam mit Heinz Barth. Spätestens aller 26 Stunden musste einer von beiden die mehr als 130 Stufen hinaufsteigen.
Nun ersetzen ein Magnet, der aller sechs Stunden das Pendel an sich zieht, sowie ein Steuerkasten mit moderner Funktechnik die menschlichen Mühen. Eine besondere Kraftanstrengung musste noch im Vorfeld der Reparatur geleistet werden: Jede der insgesamt drei Wellen galt es, einzeln den Turm hinabzutragen. »Eine wiegt 90 Kilogramm, deshalb waren zwei Männer nötig«, erzählt Ilse weiter.
Die gesamte Mechanik wurde auseinandergebaut, jedes Einzelteil sorgfältig gereinigt. Zudem wurden ein Zifferblatt direkt am Uhrwerk sowie neue Gewichte angebracht. »Wenn sie gestellt werden muss, brauchen wir nicht mehr den Turm hinunterzusteigen und von dort an die Anzeige zu schauen«, erklärt der Flemminger. Die drei ehemaligen Gewichte sind im Turm verblieben und stehen in Nachbarschaft eines Gewichtes, das noch von der Vorgänger-Uhr stammt. Künftig wird das alte neue Stück einmal im Jahr gewartet. »Trotzdem wollen wir einmal monatlich nach dem Rechten sehen«, meint Ilse.
Im Ort hat der Zeitmesser hoch oben am Turm des Gotteshauses, das der heiligen Lucia gewidmet ist, noch immer eine besondere, vor allem symbolische Bedeutung. »Wir haben die Birken nahe der Kirche extra gekürzt, damit die Einwohner im Unterdorf die Uhr sehen können«, erzählt Hans-Martin Ilse.
Die rund 10 500 Euro teure Restaurierung soll aus Spenden finanziert werden. Mehr als die Hälfte der Summe wurde bereits gesammelt. Damit sei ein weiteres Stück in Sachen Kirchenerhaltung geschafft worden, meint Ilse. Auch wenn die Uhr nun nicht mehr per Hand aufgezogen werden muss, ein Kulturgut der Kirche läuft noch mit Muskelkraft: Die Glocken werden per Hand geläutet. Drei Einwohner teilen sich in diese verantwortungsvolle Aufgabe hinein.

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EKM Nord aus Magdeburg

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