Ouelgo gibt den Hauptmann

Sorgt für Schlagzeilen: »Der Hauptmann von Köpenick« am Landestheater Altenburg mit Ouelgo Téné (rechts) in der Hauptrolle und Johannes Emmrich (links) als Soldat.
  • Sorgt für Schlagzeilen: »Der Hauptmann von Köpenick« am Landestheater Altenburg mit Ouelgo Téné (rechts) in der Hauptrolle und Johannes Emmrich (links) als Soldat.
  • Foto: Theater Altenburg/Sabina Sabovic
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Im Landestheater Altenburg wird der »Hauptmann von Köpenick« von einem afrikanischen Schauspieler verkörpert. Einige Darsteller mussten jedoch seit 2015 fremdenfeindliche Vorfälle in der Stadt erleben.

Von Ilka Jost

Was vor 20 Jahren noch undenkbar erschien, ist heute leider traurige Wirklichkeit. Menschen in der Mitte unserer Gesellschaft werden auf Grund ihres Aussehens ausgegrenzt, wobei verstärkt auch Theater über Anfeindungen ausländischer Künstler klagen. Auch »Theater&Philharmonie Thüringen« (TPT) muss sich mit dieser Problematik auseinandersetzen. Seit vielen Jahren steht das Haus für Pluralität und Weltoffenheit. 300 Menschen aus 26 Nationen arbeiten in Altenburg und Gera und pflegen unser kulturelles Erbe. Seit 2015 leiden einige Ensemblemitglieder unter dem verschlechterten Klima.
Diese Erfahrungen wurden in jüngster Zeit von Ouelgo Téné zur Sprache gebracht. Der 32-Jährige ist bei TPT aktuell als »Hauptmann von Köpenick« zu erleben. Am 26. Februar hatte das Schauspiel Premiere am Landestheater Altenburg und ist schon jetzt ein Publikumsrenner. Die Besetzung der Rolle mit dem jungen Künstler aus Burkina Faso erweist sich als ein Glücksgriff in der Inszenierung durch Schauspieldirektor Bernhard Stengele. Carl Zuckmayers Geschichte aus dem Jahr 1931, die auch mehrfach verfilmt wurde, ist aktueller denn je. Bei allem Humor weist die Handlung viele Parallelen zur aktuellen Flüchtlingsproblematik auf und stimmt nachdenklich. Ohne Arbeit keine Aufenthaltserlaubnis, ohne Aufenthaltserlaubnis keine Arbeit: Was dem Schustergesellen Voigt auf der Bühne widerfährt, müssen viele unserer ausländischen Mitbürger tagtäglich erleben.
Die Interpretation des Regisseurs stellt unsere Sehgewohnheiten auf eine ganz neue Art infrage. Dies hat im Vorfeld der Premiere zu Irritationen geführt. »Ouelgo Téné ist jetzt seit über vier Jahren am Altenburger Theater und macht eine ausgezeichnete Arbeit. Es war einfach Zeit für eine große Hauptrolle«, sagt Bernhard Stengele zur Besetzung. Für Téné ist diese Paraderolle seine letzte in Altenburg und Gera. Er wird im Herbst nach Basel gehen.
Neue Herausforderungen sucht auch Bernhard Stengele, der das Haus ebenfalls zum Ende der Spielzeit verlässt. Bei TPT hat der 52-Jährige aufwändige internationale Projekte umgesetzt und damit für Furore gesorgt. In Kooperation mit dem CITO-Theater aus Burkina Faso entstanden das in Deutsch und Französisch inszenierte Flüchtlingsdrama »Die Schutzlosen. Les Zéros-Morts« und die Albert-Schweitzer-Hommage »Ich bin das Leben, das leben will« (G+H berichtete). Das deutsch-griechisch-türkische Stück »Die Frauen von Troja« wurde von der Bundeskulturstiftung gefördert. Im Mai kommt mit »Cohn, Bucky, Levy – der Verlust« eine weitere internationale Koproduktion auf die Bühne, die sich mit dem Leben einiger jüdischer Familien in Altenburg beschäftigt.
Eine gute Zusammenarbeit besteht auch zwischen Theater und Kirche. Die Albert-Schweitzer-Hommage wurde für die Aufführung in Kirchen konzipiert, unter Einbindung von Orgelklängen. Für Begeisterung sorgte das Stück in der Brüderkirche Altenburg, der Salvatorkirche Gera und der Dorfkirche Dobraschütz. Weiterhin beteiligen sich Künstler an den Friedensgebeten und anderen Veranstaltungen der Kirchengemeinde Altenburg und des Kirchenkreises Altenburger Land.
Zu den jüngsten Ereignissen äußert sich Superintendent Michael Wegner wie folgt: »Ich bedauere, dass die Menschen in Altenburg diese negativen Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit machen mussten, und bitte diese wahrzunehmen, dass die Mehrheit diese Ansichten nicht teilt. Dabei wird deutlich, dass wir als Bürger in diesem Land für eine offene, tolerante Gesellschaft eintreten. Wir bleiben aber auch mit denen im Gespräch, die nicht unserer Meinung sind.«

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