Tambach-Dietharz
Bergkirche: Ersatz für Nazi-Glocke

Susan Hildebrandt, EKM-Kirchenbaureferentin, entwarf die Glockenzier der neuen Christusglocke.
  • Susan Hildebrandt, EKM-Kirchenbaureferentin, entwarf die Glockenzier der neuen Christusglocke.
  • Foto: Foto: Klaus-Dieter Simmen
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In fünf Thüringer Kirchen hängen oder hingen Glocken mit Nazisymbolik. Eine davon ist die Bergkirche in Tambach-Dietharz. Die dortige Kirchengemeinde hat früh reagiert und schon im Juni beschlossen, diese alte durch eine neue Glocke zu ersetzen. Am dritten Advent konnte sie durch den Regionalbischof des Propstsprengels Eisenach-Erfurt, Christian Stawe-now, geweiht werden. Im neuen Jahr soll die 250 Kilogramm schwere Glocke dann aufgezogen werden. Damit hat die Kirchengemeinde von Tambach-Dietharz als erste im Freistaat einen Ersatz vorgenommen.
So einmütig, wie das klingt, ist es aber nicht. In dem Luftkurort im Thüringer Wald ist über den Glockentausch Streit entbrannt. Den Befürwortern wird Bilderstürmerei vorgeworfen. Auf der 1936 gegossenen Glocke ist, im Gegensatz zu anderen, kein Hakenkreuz zu sehen. Ein Spruch aus dem Matthäus-Evangelium wird zitiert, allerdings unvollständig. Weiterhin zu lesen ist: „In Treue zum Christus der Deutschen“. Und dies, so Propst Stawenow in seiner Predigt, habe sehr wohl einen engen Bezug zum Nationalsozialismus. Dieser Spruch habe vorweggenommen, was nur drei Jahre später im sogenannten „Entjudungsinstitut“ zwischen 1939 und 1945 geschah, nämlich aus dem Juden Jesus einen Arier zu machen, ihn in einen Christus für Deutschland umzuwandeln. Er erinnerte daran, dass die Deutschen Christen in jenen Jahren in Thüringen besonders stark waren und in Hitler den eigentlichen Messias sahen.
Auch die neue Glocke ziert der Spruch aus dem Matthäus-Evangelium, diesmal jedoch vollständig: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Gestaltet hat die Glocke Susann Hildebrandt, die als Baureferentin der EKM in Eisenach tätig ist. Und nicht nur mit diesem Spruch ruft sie zur Versöhnung auf. Sie gestaltete um die Glocke herum ein Menschenband, das sie alle zeigt, die mühseligen und beladenen, die großen und kleinen, die alten und schwachen Menschen einer Gesellschaft.
Die alte Glocke übrigens steht in der Ausstellung im Eisenacher Lutherhaus, die sich der unrühmlichen Kirchengeschichte des sogenannten "Entjudungsinstituts" widmet.
Die 12 000 Euro für die Glocke kamen zu gleichen Teilen vom Kirchenkreis und der Landeskirche. Pfarrer Lars Reinhardt machte deutlich, dass die Kirchengemeinde das Geld nicht hätte aufbringen können. Eine Spendenaktion hätte gedauert und der Bergkirche für lange Zeit ein unvollständiges Geläut gebracht.
Klaus-Dieter Simmen

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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