Mehr als 500 Jahre alt und noch immer schwer zu knacken

Vier Schlüssel zum Glück: Pfarrerin Christiane Schmidt (v. l.), Kunstschmiedemeister Holger Schlegel, die Kirchenältesten Renate Küchenhoff und Ute Geppert an der gotischen Sakristeitür in der Stadtkirche
  • Vier Schlüssel zum Glück: Pfarrerin Christiane Schmidt (v. l.), Kunstschmiedemeister Holger Schlegel, die Kirchenältesten Renate Küchenhoff und Ute Geppert an der gotischen Sakristeitür in der Stadtkirche
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Kunstschätze: Die Sakristeitür der Torgauer Stadtkirche mit ihrem eindrucksvollen Schlössersystem ist restauriert

Ein Schatz in der Stadtkirche St. Marien zu Torgau ist restauriert worden: die gotische Sakristeitür mit ihrem eindrucksvollen Schlössersystem.
Ende des 15. Jahrhunderts, als die spätgotische Hallenkirche errichtet wurde, ließen die Bauherren für die Sakristei eine Tür bauen, die bis heute höchsten Sicherheitsanforderungen genügt. Vier Schlüssel waren nötig, die einst von verschiedenen Personen aufbewahrt wurden, um die Tür zu öffnen und an die Kirchenschätze, wie etwa das Altarsilber, heranzukommen.
Steht man heute vor der Tür, sieht man ein mit Eisenbeschlägen überzogenes Türblatt – aber kein Schlüsselloch. Ein erstes kommt zum Vorschein, wenn man den Türknauf nach rechts schiebt. Hat man nun den passenden Schlüssel, öffnen sich zwei weitere Schlüssellöcher, für die man zwei verschiedene Schlüssel braucht, da sowohl Schlösser im als auch hinter dem Türblatt die Tür verriegeln. Aber selbst wenn man diese entriegelt hat, öffnet sich nicht die Tür, sondern zwei weitere Schlüssellöcher, die den drittenSchlüssel erfordern.
Nach etwa 200 Jahren war das System wohl zu kompliziert, sodass man ein viertes Schloss mit normaler Klinke hinzufügte, auch eine zweite Tür wurde in die Wand gebrochen, sodass der Tresor-Charakter verloren ging. Nun hat der Dresdner Kunstschmiedemeister Holger Schlegel die Tür restauriert. Er erforschte den komplizierten Mechanismus und brachte ihn wieder in Gang. Dabei war das größte Problem das Fehlen sämtlicher Schlüssel. Sie mussten umständlich von Hand neu hergestellt werden. Nur eine einzige vergleichbare Tür ist in Fachkreisen noch bekannt: in einer Kirchenburg in Siebenbürgen. In Torgau wird die Sakristeitür wohl nicht jeden Sonntag geöffnet werden, aber zu besonderen Anlässen kann man das Kunstwerk bewundern. Das nächste Mal am 1. Oktober, um 12.05 Uhr.
Wenige Tage später begeht Torgau mit dem Kirchweihfest in und um die Schlosskirche den Höhepunkt der Reformationsfeierlichkeiten. Das Fest beginnt am 5. Oktober, 19 Uhr, in der Schlosskirche mit einer Andacht mit Landesbischöfin Ilse Junkermann und anschließenden Gesprächsimpulsen über den »Weg der Kirchen nach 2017«. Buntes Volkstreiben mit Markt und Musik schließt sich die kommenden Tage an. Freitag und Sonnabend, jeweils 19 bis 22 Uhr, erhellt Ingo Brackes Lichtinstallation »LuthErleuchtet« das Schloss und zum Abschluss wird am 8. Oktober, 10.30 Uhr, ein Festgottesdienst mit Alf Christophersen von der Evangelischen Akademie gefeiert. (G+H)

www.torgau.de

Autor:

EKM Nord aus Magdeburg

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