Wenn Luther durch die Straßen zieht

Beliebtes Motiv: Ein Erinnerungsfoto mit dem »Südharz-Luther« in der Wittenberger Altstadt
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  • Beliebtes Motiv: Ein Erinnerungsfoto mit dem »Südharz-Luther« in der Wittenberger Altstadt
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Bugenhagenhaus: Jede Woche präsentieren sich Kirchenkreise oder Einrichtungen der EKM

Von Regina Englert

Viel Kritisches war schon über den »Erfolg« der Weltausstellung in Wittenberg zu lesen. Der Kirchenkreis Südharz war eine Woche zu Gast im Bugenhagenhaus mit eigenen Erfahrungen. Eine 12 Mitglieder starke Gruppe teilte sich den Dienst an den sechs Tagen in den Räumen hinter der Stadtkirche. Aus verschiedenen Gründen sprechen die Beteiligten von einer guten Zeit.
Uwe Krieger, Präses der Kreissynode, war beeindruckt von den Ausstellungsflächen, die technisch keine Wünsche offenlassen, sowie von der aufmerksamen Betreuung durch die Mitarbeiter der EKM. In der Ausstellung aus dem Südharz erzählten »Luthers Freunde« über Aktionen des Kirchenkreises im Reformationsjubiläumsjahr. Viele Gemeinden haben sich auf die Spuren ihrer ganz eigenen Reformationsgeschichte begeben. Vier Schulprojekte konnten vorgestellt werden – die Ausstellung des Nordhäuser Humboldt-
Gymnasiums »Natur zur Zeit der Re-
formation«, die Übersetzungen von Myliustexten einer Lateinklasse, Reformationsspiele einer Religionsklasse, die vor Ort gespielt werden konnten, ebenso wie die Ergebnissse des Schreibwettbewerbs, an dem sich Schulklassen beteiligt hatten. So gab es für jedes Alter einiges zu entdecken und vom ökologisch abbaubaren Luftballon bis zum Schal mit Fairtrade-Siegel auch manches mitzunehmen.
Doch der Star des Auftritts war die 3,50 Meter hohe und 30 Kilogramm schwere Lutherfigur, die der Schüler Konrad Schwarze regelmäßig geduldig auf seinen Schultern durch die Straßen Wittenbergs trug. Nahezu alle Besucher zückten ihr Handy. Begleitend zum Auftritt des Südharzer Luthers wurden Hinweise verteilt, die auf den Standort der Ausstellung im Bugenhagenhaus aufmerksam machten. Beliebt waren auch die neuen Puzzles der EKM.
Winfried Berger, Prädikant im Kirchenkreis, hat einige Ideen für zu Hause mit im Gepäck, darunter die Gestaltung der offenen Gottesdienste, wie die alltägliche Abendandacht auf dem Marktplatz. Raus aus den Kirchen, rein in die Gesellschaft. Die eigene Ausstellung wird ihm als Ort der guten Gespräche in Erinnerung bleiben. Gespräche mit Menschen aus Minnesota oder Brandenburg. Längere Begegnungen oder kurze Grüße von Menschen, die mit Reisegruppen unterwegs waren und bedauerten, für die »kleinen« Veranstaltungen jenseits der touristischen Magnete keine Zeit zu haben. Seine Frau Christine freut sich, dass schon fast ein bisschen Kirchentagsstimmung in Wittenberg aufkommt. »Nachhaltig beeindruckt hat mich das Erlebnis, dass sich Menschen aus süddeutschen Kirchenkreisen sehr offen für unsere Erfahrungen mit den Veränderungen einer ›schrumpfenden‹ Kirche gezeigt haben.« Dieses intensive Interesse und die Ähnlichkeit der Sorgen hatte sie so nicht erwartet.
Petra Gunst, Reformationsbeauftragte des Kirchenkreises, ärgert sich, dass der Erfolg Wittenbergs nur an Zahlen gemessen wird. »So kann man den Erfolg nicht festmachen«, sagt sie. »Wann trifft man schon einmal so viele Landeskirchen an einem Ort und hat Zeit für Gespräche?«, stimmt ihr Super­intendent Andreas Schwarze zu. Hier könne man Vielfalt erleben, das, was Kirche ausmacht und bewegt. Dieser Fülle kirchlichen Lebens zu begegnen, die nicht auf ein paar Highlights festgelegt ist, begeistert ihn. Alle hier vertretenen Landeskirchen, so Schwarze, hätten sich intensiv Gedanken gemacht, was für sie gerade dran ist. »Dadurch, dass wenige Menschen unterwegs waren, hatten wir Zeit für Begegnung«, bilanziert er.

Beliebtes Motiv: Ein Erinnerungsfoto mit dem »Südharz-Luther« in der Wittenberger Altstadt
Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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