Predigt
Samstags gehört Vati mir
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Markus 2, Vers 27
Der bekannteste (westdeutsche) Gewerkschaftsspruch zum Tag der Arbeit stammt von 1956: „Samstags gehört Vati mir!“ Das Plakat zeigt einen etwa Fünfjährigen, der mit seinem Zeigefinger aus dem Plakat heraus weist. Bestimmt kommt da mit vielen anderen Männern und Frauen der Vater des Jungen die Treppe eines Vorortbahnhofs herunter, ein Industriearbeiter unter vielen. Der Kleine bringt selbstbewusst zum Ausdruck, wie er sich einen Samstag (Sabbat) vorstellt, an dem er abends glücklich zu Bett geht: mit Mutter, Vater und seinen Geschwistern!
Die Jünger Jesu hatten sich, weil sie an einem Sabbat (Samstag) knurrende Mägen hatten, einige Getreideähren abgepflückt. Aus Sicht der Pharisäer widerspricht es dem Gebot der Sabbatheiligung, auch nur kleinste Mengen an diesem Tag zu „ernten“, Hunger hin, Hunger her. Dem Vorfall folgt ein kurzer Ausschnitt aus einer sicherlich längeren Diskussion. Jesus rückt pointiert das Wohlergehen der Menschen in den Mittelpunkt: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht.“
Wie offen unterhalten sich in unseren Gemeinden eigentlich die oft Wenigen, die noch regelmäßig am Sonntagvormittag oder frühen Nachmittag den Gottesdienst besuchen, mit denen, für die der Sonntag vor allem Ausschlaf-, Frühstücks- und Familienzeit ist? Wie offen wird ausgetauscht, dass eine andere Gottesdienstzeit für die einen mit dem Mittagessen kollidiert. Für die meisten Familien ist das pünktliche Erscheinen zu den herkömmlichen Zeiten nach einer Woche frühen Aufstehens und voller, hoch organisierter Tage gefühlt ein Unding. Dennoch wären viele Familienmenschen bei einer familienfreundlichen Mehrgenerationenzeit in der Gemeinde dabei! Sprechen hilft, Wege zu finden. Sogar das mit der Fünftagewoche und dem „Vati“ hat doch für viele kleine Mädchen und Jungs schlussendlich geklappt.
Ralf Euker, Pfarrer in Stendal
Autor:Ralf Euker |

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