Das Traditionsheim in Köthen wird 70

Die »Arche«, eine über 100 Jahre alte, sanierte Villa, umgibt ein großes Freigelände.

Jugendhilfe: Die »Arche« gibt Mädchen und Jungen ein neues Zuhause

Von Angela Stoye

Im Foyer der Jugendstilvilla hängt ein aus Holz gesägter Schlüssel. Vor fast 25 Jahren gelangte er in das stattliche Haus an der Köthener Bärteichpromenade, das seit Jahrzehnten als Kinder- und Jugendheim dient. Der damalige Köthener Pfarrer Albrecht Lepetit, ein gelernter Tischler, fertigte ihn an und übergab ihn 1994, als das Heim von der Trägerschaft des Landkreises in die der Jakobsgemeinde wechselte. Seit 1998 trägt es den Namen »Arche«. Anfang Mai feiert das Heim sein 70-jähriges Bestehen mit einem Festakt und einem Ehemaligentreffen auf dem Heimgelände sowie einem Gottesdienst in der Jakobskirche. Unabhängig von diesem festlichen Höhepunkt schaut Pfarrer Wolfram Hädicke als Mitglied des Heimkuratoriums mehrmals in der Woche im Haus vorbei.
»Wir sind das Traditionsheim in Köthen«, sagt Martin Dreffke. Der promovierte Pädagoge leitet das Haus seit 1992. Als es am 30. April 1948 in der ehemaligen Bürgermeistervilla eröffnet wurde, zogen als erstes 25 Kriegswaisen hier ein. Ab Mitte der 1950er Jahre wurden dann Kinder aufgenommen, für die der Staat Erziehungshilfe leisten musste. Kollektiverziehung und strenge Regeln prägten ihr Leben, so Dreffke, aber nie habe ihm einer der Ehemaligen etwas von Schikanen berichtet. In den DDR-Jahrzehnten lebten im Heim bis zu 50 Kinder, heute wohnen hier 20 in zwei alters- und geschlechtsgemischten Gruppen, für die jeweils vier Erzieher zuständig sind. Die Tatsache, dass der Bedarf höher ist als die vorhandenen Heimplätze, findet der Pädagoge bedenklich. Aufgenommen werden Kinder von drei bis 18 Jahren, zurzeit ist das jüngste Kind acht, das älteste 17.
In den vergangenen Jahrzehnten ist das Haus nicht nur baulich, sondern auch inhaltlich den neuen Erfordernissen angepasst worden. Neben der Umstellung auf Wohngruppen gehört seit 1996 das betreute Jugendwohnen in der Stadt dazu, um junge Menschen gut vorbereitet ins selbstständige Leben als Erwachsene entlassen zu können, wenn eine Rückkehr ins Elternhaus nicht möglich ist. Zudem ist die »Arche« heilpädagogisch-integrativ ausgerichtet. Inzwischen bietet das Heim auch »Flexible Elternhilfe« für alleinstehende junge Mütter an, die mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind. »So wird vermieden, dass Kinder von ihrer Mutter getrennt werden müssen«, sagt Martin Dreffke. Und in der Not gibt es im Heim eine Schutzstelle für den Fall, dass ein Kind sehr schnell aus seiner Familie in die Obhut des Jugendamtes übernommen werden muss. Seit 2015 sind Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mit heute insgesamt 14 Plätzen hinzugekommen. Aktuell plane man, die Zahl der Mitarbeiter aufzustocken. Insgesamt ist die »Arche« Arbeitgeber für 23 Frauen und Männer auf den Gebieten Erziehung, Hauswirtschaft und Verwaltung.
»Bei uns gibt es keinen Stillstand«, sagt Martin Dreffke. »Es wird immer wieder neu geschaut, was aktuell gebraucht wird, und ein klassisches Kinderheim wird immer gebraucht.«

5. Mai, Arche, 15 Uhr: Treffen ehemaliger Bewohner und Mitarbeiter; 6. Mai, St. Jakob,
11 Uhr: Fest- und Familiengottesdienst
8 www.arche-kh.de

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