Herz statt Hetze - Kirchengemeinden positionieren sich

Ulrike Polster

Mehrere Festivals mit rechtsextremen Bands sind im Kirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld geplant. Über die Situation in Themar hat Willi Wild mit Pastorin Ulrike Polster gesprochen:

Pastorin Polster, bekommen Sie es mit der Angst zu tun ob der drohenden Ereignisse?
Polster: Angst trifft es nicht richtig. Ich bin eigentlich eher wütend, dass extrem rechte Gedanken, wie sie in den Texten von Stahlgewitter und anderen zum Ausdruck kommen, sich so offen präsentieren darf. Und ich habe eine Trauer im Herzen um die jungen Menschen, die sich davon verhärten,verbittern und mit Hass anstecken lassen.

Welche Reaktionen gab es in der Kirchengemeinde?
Polster: Es gab Betroffenheit, ja Bestürzung, dass unser Ort mit Veranstaltungen eines solchen lebensverneinenden Charakters in dieser Größenordnung überzogen werden soll. Und Unverständnis, dass dergleichen nicht zu verhindern sei.

Haben Sie Kontakt mit den Veranstaltern und können Sie auf die Veranstaltung Einfluss nehmen?
Polster: Kontakt mit den Veranstaltern habe ich nicht, und kann auch auf die Veranstaltungen keinen Einfluss nehmen. Der einzige Einfluss, der mir lieb wäre, wäre auch, sie verhindern zu können, und zwar nicht nur in Themar, sondern überhaupt.

Wie reagieren Sie auf die Festivals? Welche Botschaft haben Sie für Festivalbesucher und für Ihre Gemeinde?
Polster: Kirchenkreis, Kirchengemeinde und katholische Gemeinde stellen sich in Form von Friedensgebeten dagegen, besonders am
14. Juli, 20 Uhr, in der Stadtkirche Themar. Darüber hinaus gehöre ich zum Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra. Meine Botschaft für meine Gemeinde ist: Lasst euch nicht einschüchtern! Setzt euch aktiv mit rechten Gedanken auseinander, und haltet euch an das Wort des Apostels Paulus: »Zur Freiheit hat euch Christus befreit!«
Den Festivalbesuchern möchte ich wünschen, dass sie das Leben wieder lieb gewinnen und merken, dass die Texte von Stahlgewitter, Lunikoff und Co. ihr Denken und Fühlen verfinstern. Ich wünsche ihnen einen neuen Blick auf die Schönheit des Lebens.

Martin Niemöller stellte die Frage: Was würde Jesus dazu sagen bzw. tun? Was glauben Sie?
Polster: Er würde – und er wird (!) durch die Polizeiabsperrung hindurchgehen und auf allen Seiten die Verlorenen suchen und retten. Ich stelle mir vor, wie er an diesen Tagen mitten unter uns ist, die tapferen Menschen aus jeder Richtung, die sich gegen die hasserfüllten Botschaften mit viel Herz und Fantasie einsetzen, ermutigt, stärkt, mit ihnen kämpft und lacht, und auf der anderen Seite die Zornesfalten glättet, die Fäuste behutsam öffnet und sagt: »Du bist ein von Gott geliebter Mensch. Nun hab auch den Mut, menschlich zu sein.«

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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