Gompertshausen: Heinze übernimmt Pfarrstelle
Das Dorf als Universum

von Wolfgang Swietek

Von einem dynamischen Pfarrer spricht Superintendent Johannes Haak, den er am Reformationstag in sein Amt im Pfarrbereich Westhausen einführt. Johannes Heinze habe viele neue Ideen und es sei ein Glücksfall, dass er nach seiner Entsendungszeit den Christen hier erhalten bleibe. »Also hegt und pflegt ihn«, sagt er zu den Gemeinde-kirchenräten der sieben Orte, die Pfarrer Heinze nun betreut. Neben Westhausen gehören noch Gompertshausen, Schlechtsart und Gellershausen, Holzhausen, Rieth und Schweickershausen zum Pfarrbereich. »Jedes Dorf ist ein eigenes Universum«, sagt Heinze, »man kann nicht alles von einem Dorf auf das andere übertragen.« Vielleicht ist das Teil seines Erfolgsrezeptes.
Studiert hat Heinze in Jena und Halle, wo er auch sein Vikariat absolvierte. Von der Stadt kam er zum Entsendungsdienst in die südthüringische »Provinz«. Er hat kein Problem damit. Zumal er gleich zu Beginn ein Erlebnis hatte, das ihn beeindruckte: Zwischen dem bayerischen Alsleben und dem thüringischen Gompertshausen hatte es einen ökumenischen Gottesdienst direkt an der ehemaligen Grenze gegeben. Anlass war der 25. Jahrestag der Grenzöffnung. Die beiden Pfarrer – der katholische Florian Lehnert und der evangelische Johannes Heinze – verstanden sich auf Anhieb. Beide haben je sieben Gemeinden zu betreuen und beide haben den Mut, alte Regeln über Bord zu werfen – wenn es im Sinne ihrer Gemeinden ist. Sie wollen einfach »ein guter Hirte sein«, sagen sie.
So verwundert es nicht, dass im Einführungsgottesdienst für Pfarrer Heinze der katholische Kollege die Predigt hält. Im Gegenzug predigte Johannes Heinze zu Allerheiligen in der katholischen Gemeinde Untereßfeld. »Das ist etwas ganz Besonderes«, meint auch der Superintendent, »Ich vermute, das hat es so noch nie gegeben.«
Die beiden Pfarrer bringen ihre Gemeinden zusammen. Sie reden nicht über das, was sie trennt, sie suchen Gemeinsamkeiten. »Es geht darum, Grenzen zu überwinden, solange, bis diese irgendwann nicht mehr da sind«, sagt Heinze. Zu verstehen ist das im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Gemeinsam haben sich die katholischen Christen aus Bayern mit den evangelischen Brüdern und Schwestern aus Thüringen schon auf eine Fahrradtour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze begeben und die Lutherstätten in Mitteldeutschland besucht.
Für die gelebte Ökumene schlägt Heinzes Herz und mehr noch für die Menschen, die Sorgen und Fragen, die jeder in diesem »kleinen Universum« Dorf mit sich trägt. Heinze ist ihnen Zuhörer und Gesprächspartner. So hat er einen (Männer-)Stammtisch ins Leben gerufen, zu dem er einmal im Monat einlädt. Da hatte jemand gelesen, dass Nächstenliebe und Vaterlandsliebe zusammengehören. Einige hatten das anders gesehen und wollten mit ihm darüber reden. Sie trafen sich – und diskutierten einen ganzen Abend lang. Das sei für beide Seiten so interessant gewesen, dass sie das wiederholten und sich nun regelmäßig zu einem Stammtisch treffen. »Natürlich wird auch über Glauben geredet, wenn ein Pfarrer dazu einlädt«, sagt Heinze. Aber es gehe auch um weltliche Themen, in der Kommune wie in der großen Politik, alles, was gerade die Gemüter bewegt. Längst kommen nicht nur Kirchgänger zu diesen Gesprächen, auch Einwohner, die nicht konfessionell gebunden sind, suchen das Gespräch mit dem Pfarrer.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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