Abseits der Straße von Apolda nach Jena liegt der Ort Vierzehnheiligen. Ein für die Gegend ungewöhnlicher Ortsname. Ebenso ungewöhnlich ist die Geschichte seiner Entstehung. Eine Vorgängersiedlung mit Namen Lützendorf wurde im so genannten sächsischen Bruderkrieg (1446-1451) zerstört, die Überlebenden flohen in die Umgebung. Sagenhaft überliefert ist, dass das Wasser einer Quelle, die Menschen und Tiere von Lützendorf versorgte, eine wundersame Heilwirkung hatte und die im Bruderkrieg verletzten Einwohner und Soldaten unverzüglich gesund machte. Dieses Wunder ist der Ursprung einer Pilgerbewegung, die der verwüsteten Siedlung wirtschaftlichen Aufschwung brachte. Der Bau einer Wallfahrtskirche wurde begonnen. 1464 war die Kirche fertig und den 14 Heiligen geweiht. Diese 14, auch die 14 Nothelfer genannt, sind eine Gruppe von Männern und Frauen, die im zweiten bis vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung lebten, als Märtyrer starben und als Schutzpatrone verehrt wurden. Jeder der 14 Heiligen hatte in der Kirche einen eigenen Altar. Rund um die Kirche siedelten sich wieder Menschen an, deren Geschäftsgrundlage wurde die Versorgung der Pilger und ihrer mitgebrachten Tiere. Die Heiligengruppe gab der Siedlung schließlich ihren Namen.
Wenig Dokumente zur Wallfahrt sind erhalten geblieben. Danach ist die prominenteste Wallfahrerin Prinzessin Margarete, Schwester des Kurfürsten Friedrich III., genannt der Weise. Als Beschützer Luthers hatte der einen Anteil am Erfolg der Reformation. Doch die wiederrum war es, die der Wallfahrt 1539 ein Ende machte und der kleine 100 Einwohnerort hatte die Baulast der Wallfahrtskirche zu tragen. Eine schwierige Aufgabe. So musste 1801 der Chorraum abgebrochen werden. 1806 wurde die Kirche, für die Verwundeten der Schlacht bei Jena und Auerstedt, die eigentlich die Schlacht bei Vierzehnheiligen und Auerstedt heißen müsste, als Lazarett genutzt. Vor der Kirche erinnert ein hundert Jahre nach dem Gefecht errichtetes Denkmal an dieses dramatische Ereignis.
Was fängt eine heute kleine Gemeinde mit einer großen Kirche an? Als Glücksfall erweist sich hier die 1707 von Johann Georg Fincke (1680-1749) gebaute Orgel. Die ist eine der ältesten Orgeln der Gegend, hat einen schönen vollen Klang und einen hohen historischen Wert. Dessen gedenkend hat die Kirchgemeinde den Vierzehnheiligener Orgelsommer erfunden. Jeweils freitags, 17 Uhr, wenn die Menschen in den Wochenend-Modus umschalten können, erklingt für eine Stunde die Orgel der Kirche von Vierzehnheiligen. Die Stunde ist jeweils einem bestimmten Thema gewidmet. Gespielt wird sie von Ingo Reimann, wohnhaft in Schöten bei Apolda. Inzwischen kann der Orgelsommer auf 11 Jahre zurückblicken. In diesem Jahr geht es am 17. Juli, 17 Uhr los. Das Thema der Stunde Orgelmusik lautet dann: „Ich mag zwar keine Klassik, aber das gefällt mir“.
Autor:EKM |