FREITAG, NACH EINS ...
Unsere Seite 1 - Zeit, die man (nicht) hat

Glaube und Heimat 35 vom 30. August 2020

Kennen Sie die Marke TYT? Na die, die Dualbandfunkgeräte vertreibt, die sowohl im 70 Zentimeter, als auch im Zweimeterband-Bereich mit einer Leistung von zehn Watt senden! Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie jetzt so gucken, wie mein Freund Lars es getan haben muss, als ich ihm kürzlich tyt als Kurznachricht schickte,  ist recht groß. Um ehrlich zu sein, musste ich aber auch erst googlen, bevor ich auf das Funkgerät kam, denn meine Intention war eigentlich eine ganz andere...

Dabei empfinde ich Abkürzungen dieser Art gar nicht mehr als besonders. Und sie sind inzwischen ja auch überall angekommen. Schreibt Glaube+Heimats Redaktionsassistentin Ramona Schurig eine kurze Mail, kann ich mich beinahe mit Sicherheit darauf verlassen, dass diese etwa so aussieht:

L. Philipp.,
....
rs

Und um ehrlich zu sein: Ich mag das. Keine Zeit verschwenden, einfach die Worte antexten. Los geht es! Die Gewiefteren unter unseren Lesern werden schnell herausgefunden haben, dass Sie mit Lieber Philipp  beginnt und mit dem Kürzel Ihres Namens schließt. Schreibt mir ein Auftraggeber, dass er etwas ganz ganz bald braucht, wird da einfach einmal mit einem asap (as soon as possible; so bald wie möglich) markiert. Aus Bequemlichkeit verwandeln meine digitalen Endgeräte ppb schon automatisch in ein Paul-Philipp Braun oder hg in Herzliche Grüße  und als ich noch jünger war, da kam bisweilen auch schon einmal ein ily (I love you; ich liebe Dich) als Nachricht in ein virtuelles Postfach geflattert. 
Ein Protokoll, das ich vor einiger Zeit vor mir liegen hatte, das schloss mit dem klassischen gez. (gezeichnet) und die meisten Mails, die mir irgendwelche Urlaubsvertretungen von Interviewpartnerinnen senden, haben ein i.A. (im Auftrag) an deren Ende. 

Früher, und dieses Früher ist gar nicht so lange her, da beschrieb man dieses Verhalten gern als einen AKüFi, dem Abkürz-Fimmel. Die Fantastischen Vier nannten es schon vor 21 Jahren Drama einer Kultur . Wer sich das noch einmal anhören will, der darf gern. Ich hab den Ohrwurm noch einmal eingebaut:

Und irgendwie haben die Jungs (die heute schon gar nicht mehr so jung sind - alle vier haben die 50-Jahresmarke geknackt) ja schon damals Recht gehabt, als sie unsere Sprache kritisierten. Doch was sich damals noch aus Begriffen zusammensetze, die heute kaum noch verwendet werden - ABVs (Abschnittsbevollmächtigte) gibt es genau so wenig, wie die DVU (Deutsche Volksunion) - das ist im Rahmen von Effizienzsteigerung und Digitalisierung noch viel umfänglicher geworden. Die Zahl der Insta-Follower (gemeint ist eigentlich Instagram, aber man muss ja kürzen) wird in k (die Abkürzung für Tausend) angegeben.  Befinde ich mich im direkten aber virtuellen Austausch mit einem Kollegen, kommt über mein Nachrichtenfenster immer mal ein afk (away from keyboard; bin erstmal nicht am Platz) und gearbeitet wird bei einigen Unternehmen nur noch B2B (Business to Business; Von Unternehmen zu Unternehmen).

So versuchen wir alle,  wohl einfach nur Zeit zu sparen. Effizienz ist auch und gerade während dieser Tage das Gebot der Stunde. Zeit ist Geld und Geld hat man ja (fast) immer zu wenig. Auch dann, wenn man schon gar nicht mehr weiß, was man sich noch kaufen oder schenken lassen soll. 

Das Problem dabei: Eigentlich haben wir alle Zeit der Welt. Und eigentlich hat ein Jegliches seine Zeit. Im Buch Kohelet finden wir dazu noch einmal eine sehr kluge Ausführung. Schauen Sie doch einmal bei Kohelet 3, Verse 1-8 nach. (Sollten Sie die Zeit nicht haben, um an das Regal zu gehen, die Bibel herauszuholen und nachzuschlagen dann können Sie auch einfach auf den Link klicken!)
Und selbst wenn es in dieser Passage nicht eindeutig benannt wird, so bin ich mir sicher, dass auch Abkürzungen und das Nachschlagen selbiger seine Zeit hat! Sollten Sie das anders sehen, so nehmen Sie sich bitte meinen gut gemeinten und absolut ehrlichen Rat an: tyt (take your time; Lassen Sie sich Zeit!)

Nun aber hoffe ich, dass Sie sich erst einmal die Zeit nehmen, um in unsere aktuelle Glaube+Heimat Nummer 35 zu schauen. Wir haben diese, wie immer, mit zeitlos schönen Beiträgen gefüllt, laden Sie gern zum Schmökern ein und wünschen eine gute Lektüre!

PS: Unsere aktuelle Ausgabe ist sogar noch umfänglicher als sonst. Pünktlich (Sie sehen, wir haben die Zeit im Blick) zum Schuljahresbeginn ist eine Sonderbeilage der EKM-Schulstiftung mit in der Ausgabe. Und auch die Achava-Festspiele finden nicht nur im Blatt statt, sondern haben eine eigene Beilage bekommen!

Unsere Themen

  • Philosophie: Wie Hegels Ideen uns bis heute prägen
  • Freude schenken: Rosemarie Lencer verschenkt Blätter des Paradiesbaumes und will so zur Kulturverständigung beitragen
  • Ökumene: Landesbischof Friedrich Kramer besuchte die Benediktinermönche im Kloster Memleben
  • Sommerinterview: Pädagoge Will Lütgert hat unter anderem die Gemeinschaftsschulen mitentwickelt
  • Weihnachten: Schon jetzt planen viele Gemeinden ihre Gottesdienste. Sie stehen unter dem Stern der Pandemie
"Bekommen Mönche Taschengeld?"
Ein Schuljahr sondergleichen
Vom Provisorium zur Kirche

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Autor:

Paul-Philipp Braun aus Erfurt

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