Kunstprojekt auf Spendenbasis
Harzer Kirchengemeinde plant Altarbild

Skizze (2024) des Künstlers Sven Großkreutz für das Altarbild der Kirchengemeinde Neuplatendorf. Die drei geplanten Tafeln zeigen die Vorbereitungen zum Abendmahl. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 vorgesehen. | Foto: Sven Großkreutz
  • Skizze (2024) des Künstlers Sven Großkreutz für das Altarbild der Kirchengemeinde Neuplatendorf. Die drei geplanten Tafeln zeigen die Vorbereitungen zum Abendmahl. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 vorgesehen.
  • Foto: Sven Großkreutz
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Das letzte Abendmahl gehört zu den bekanntesten Motiven der christlichen Kunstgeschichte. Unzählige Gemälde zeigen den Moment, in dem Jesus und seine Jünger gemeinsam am Tisch sitzen. Doch was geschah eigentlich davor? Wer deckte den Tisch, trug Brot und Wein herbei oder bereitete den Raum für das gemeinsame Mahl vor?

Ihre Spende ermöglicht der Kirchengemeinde, diese (Vor-)Geschichte zu erzählen.

Genau diesen bislang kaum beachteten Augenblick möchte die Kirchengemeinde Neuplatendorf in einem neuen Altarbild sichtbar machen. Drei Bildtafeln des Künstlers Sven Großkreutz sollen die stillen Vorbereitungen zum Abendmahl zeigen. Damit entsteht eine ungewöhnliche Perspektive auf eine der bekanntesten Szenen der Bibel:

Es ist die Zeit der Vorbereitung zum gemeinsamen Abendessen. Jesus fegt kraftvoll den Boden, Johannes nimmt den Kehricht auf. Paulus und Jakobus tragen den letzten Tisch herein und mit einem großzügigen Schwung breitet Petrus die Tischdecke über den langen Holztisch aus. Das Leinentuch flattert einen Moment durch den Raum, als wolle es das späte Sonnenlicht einfangen, ehe es sich über das Holz legt. Simon streicht eine Ecke des Tuches glatt.

Die Szene lässt sich abseits des Motivs mühelos weitererzählen: Matthäus beginnt die Teller zu verteilen und stellt dann die Becher auf den Tisch, ganz sorgsam einen nach dem anderen. Thomas prüft noch einmal den Weinkrug und schüttelt den Kopf, weil Andreas schon heimlich ein Stück Brot nimmt. Philipp bringt eine Schale mit Kräutern herüber, Bartholomäus rückt die Stühle enger zusammen, damit alle Platz finden. Simon und Thaddäus diskutieren leise über die Menschenmengen in Jerusalem, während eine junge Frau mit Kind schweigend hilft. Die Vorbereitungen laufen Hand in Hand. Ein vertrautes Miteinander, wie bei einer großen Familie.
Judas Iskariot steht scheinbar unschlüssig im Türrahmen, sein dunkler Schatten fällt in den Nebenraum. Noch bevor das Abendmahl vorüber ist, wird Judas den Raum verlassen – und niemand außer ihm und Jesus ahnt, dass dies ihr letztes gemeinsames Essen ist

Ihre Spende ermöglicht der Kirchengemeinde, dieses Kunstprojekt zu verwirklichen.

Der Verrat an Jesus durch Judas Iskariot ist der dramatische Auftakt der biblischen Passionsgeschichte, also der letzten Lebensphase von Jesus Christus, und bildet den Ausgangspunkt für seine Verhaftung, Verurteilung und Kreuzigung. Deshalb wird dieses Ereignis immer wieder in Theologie, Kunst und Kultur aufgegriffen. Das „Letzte Abendmahl“ wurde von zahlreichen Künstlern eindrucksvoll dargestellt. Besonders berühmt sind dabei Werke von Leonardo da Vinci (1495–1498) und Tintoretto (1592–1594). Viele weitere Künstler haben diese Szene über die Jahrhunderte hinweg in sehr unterschiedlichen Stilrichtungen detailreich gestaltet.

Doch „die vorbereitende Phase des Abendmahls hingegen – also die alltäglichen Handlungen vor der eigentlichen Mahlzeit – wurde bildnerisch bislang kaum eigenständig thematisiert“, berichtet Georg Schmidt, Pfarrer von Neuplatendorf (Ev. Kirchenkreis Egeln).

Nun möchte der Künstler Sven Großkreutz, beauftragt von der Kirchengemeinde Neuplatendorf, den Kanzelaltar des örtlichen Gotteshauses mit drei Bildtafeln vervollständigen, die genau diese vorbereitenden Arbeiten zum Abendmahl darstellen. Damit schlägt er eine Brücke in die alltägliche Lebenswelt und knüpft an das an, was die Menschen von Neuplatendorf als zupackende Ortsgemeinschaft auszeichnet.

„Ich finde es großartig, dass sich die evangelische Kirchengemeinde von Neuplatendorf auf dieses Altarbild eingelassen hat“, so Großkreutz.

Der in Aschersleben aufgewachsene Künstler studierte Malerei und Grafik an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle sowie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach weiteren Studienaufenthalten in Rom und Liverpool arbeitet er heute als freischaffender Künstler in Halle (Saale). Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit sakralen und historisch geprägten Bildthemen. Bereits 2022 hatte Großkreutz im Rahmen eines Kunstprojekts (Kirche – Kunst – Konzert) die kleine Fachwerkkirche von Neuplatendorf kennen gelernt.
Sie wurde 1781 erbaut und ihr Innenraum ist schlicht gestaltet. Die Wände sind weiß gehalten, Stützpfeiler, Empore und Decke bestehen aus grau gestrichenem Holz. Prägendes Ausstattungsstück ist der Kanzelaltar von 1789. Dieser soll nun durch die neuen Bildtafeln vervollständigt werden.
Die drei Tafeln sollen noch in diesem Jahr "… in einer Mischtechnik aus Tempera und Öl entstehen. Anschließend müssen sie vollständig durchtrocknen, dieser Prozess kann bis zu drei Monate in Anspruch nehmen.“ informiert der Künstler.

Um diese bislang nicht erzählte Perspektive vom letzten Abendmahl im Kirchenraum sichtbar zu machen, sammelt die Kirchengemeinde bereits seit dem vergangenen Jahr Spenden und lädt deshalb alle Interessierten, Kunstfreunde und Unterstützerinnen und Unterstützer kirchlicher Kulturarbeit ein, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Jeder Beitrag hilft dabei, dieses außergewöhnliche Vorhaben zu verwirklichen und ein neues Kunstwerk für kommende Generationen zu schaffen.

Die Kirchengemeinde bedankt sich herzlich bei allen bisherigen und künftigen Spenderinnen und Spendern, die dazu beitragen, dass diese besondere Perspektive auf das Abendmahl künftig in ihrem Kirchenraum sichtbar wird.

Autor:

Annett Bohse-Sonntag

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