Rückblick
Der erste Meinungsstreit erschüttert das Christentum

Die Konstantinische Wende 313 war ein Meilenstein zur Etablierung des Christentums im Römischen Reich. Es war ein langer Weg des Martyriums, das hinter den Christen lag, bevor sie als ursprünglich Verfolgte dem Kontinent ihre Prägung verleihen konnten. Doch kaum war das Christentum einigermaßen gefestigt, gefährdete ein Meinungsstreit die Einheit der bereits weltumspannenden christlichen Gemeinde. Dieser Meinungsstreit entzündete sich an der Frage zur Stellung Jesu.

Grob lässt sich der theologische Disput als Konflikt zwischen Trinitariern und Arianern begreifen. Fast hätten die Arianer die Oberhand behalten. Doch der Spaltpilz wendete sich nun gegen die Arianer, die sich in zahlreiche Strömungen zersplitterten und gegenseitig bekämpften. Dies gab den Trinitariern die Gelegenheit, das Blatt zu wenden und die Kirche wieder in vertraute Bahnen zu lenken. Doch Gedanken des Arianismus leben bis heute fort und beeinflussten vor allem die Rolle des Islams als christliche Reformbewegung.

Die Lehre des Arius´

Der Anlass für den Kirchenstreit begann als harmloser Gelehrtenzwist zwischen dem Presbyter Arius (260 - 327) und dem Bischof Alexander im Jahre 319 in Alexandria. Wie sämtliche Reformer nach ihm, berief sich Arius auf die Bibel. Er bestritt die von der Frühkirche postulierte Trinitätslehre sowie die Zeugungsfähigkeit Gottes. Da Gott nicht zeugungsfähig sei, sei Jesus auch nicht sein Sohn. Stattdessen habe Gott Jesus adoptiert, weil dieser als Mensch die Sittlichkeit und Redlichkeit des Christentums verkörpere. Der adoptierte Sohn Gottes sei Gott nicht wesensgleich, aber sein vornehmstes Geschöpf.

Kaiser Konstantin schaltet sich ein

Diese Schlussfolgerungen von Arius erschienen vielen Christen schlüssig, zumal Arius seine Position aus der Bibel belegen konnte. Viele Christen stellten sich auf seine Seite und schnell gefährdete der Konflikt die christliche Einheit, denn die Arianer und Trinitarier begannen ihren Meinungsstreit zunehmend mit Gewalt auszutragen. Es gab kaum jemanden, der unter dieser Situation so gelitten hatte wie Kaiser Konstantin selbst.

Der Kaiser selbst sprach von einer „Kontroverse von sinnloser Bedeutungslosigkeit“, und auf dem ersten ökonomischen Konzil von Nicäa, das er 325 zur Beilegung des Konflikts einberufen hatte, erklärte er, dass dieser innere Streit ihm mehr zuwider sei als jeder Krieg mit einem äußeren Feind. Dass er sich als weltlicher Herrscher überhaupt in diese geistliche Angelegenheit einschaltete, begründete er damit, dass dieser Meinungsstreit die Einheit des Christentums gefährde und damit die staatlichen Interessen im Sinne der von Augustus verkündeten pax romana berühre.

Der Kongress von Nicäa

In Nicäa nahmen 318 der 1.800 Bischöfe im Römischen Reich an dem Konzil teil. Kaiser Konstantin machte durch sein prunkvolles Auftreten und sein energisches Eintreten für die Einheit des Christentums einen großen Eindruck auf die Versammelten. Am Ende stand das Glaubensbekenntnis von Nicäa, in dem festgestellt wurde, dass Jesus als Sohn Gottes zwar nicht erschaffen, wohl aber empfangen worden sei und damit nicht adoptiert, wie von den Arianern dargelegt. Jesus sei somit von derselben Substanz wie sein Vater und damit Teil des dreieinigen Gottes. Gleichzeitig wurde der Arianismus verdammt und Arius nach Illyrien in die Verbannung geschickt.

Wiedererstarken und Niedergang des Arianismus

Der Beschluss von Nicäa war allerdings nur eine Momentaufnahme und noch lange nicht das Ende der Arianer. Arius gewann mit Eusebius von Cäsarea und Eusebius von Nikomedia wichtige Unterstützer, die nur wenige Jahre später die Aufhebung seiner Verdammung bewirkten. Zudem motivierte die Niederlage von Nicäa die Arianer zu heftigen Gegenreaktionen. Der Arianismus erstarkte zunehmend und gewann mit Konstantin II. sogar einen römischen Kaiser als Anhänger der neuen Glaubenslehre. 359 wurde der Arianismus als Staatsreligion im Römischen Reich verankert.

Durch immer massiver werdende innere Konflikte geschwächt, gewannen die Trinitarier allerdings wieder Oberwasser. Nach dem Tode Konstantins II. im Jahre 361 gelang es ihnen, den Arianismus zunehmend zurückzudrängen und ihn 381 auf dem zweiten ökonomischen Konzil in Konstantinopel als Häresie zu verurteilen. Trotzdem behielt der Arianismus im Osten des kriselnden Reiches einen starken Einfluss. Im Zuge der Völkerwanderung kamen nomadisierende Stämme wie die Westgoten, Ostgoten, Vandalen, Langobarden, Burgunder, Rugier und Sueben mit dem Arianismus in Berührung, sodass der arianische Grundgedanke schließlich seinen Weg bis nach Mekka fand. Im Islam, der ebenfalls die Dreifaltigkeitslehre ablehnt, findet sich der Arianismus in der Lehre wieder, dass Jesus nicht Gottes leiblicher Sohn sei, sondern "nur" einer seiner Propheten.

Autor:

Dirk Glockner aus Dessau

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