Aus zwei mach eine

Orgelbau in St. Marien in Bernburg startet

Von Thorsten Keßler

Noch steht auf der Orgelempore in der Marienkirche in Bernburg nur ein leerer Prospekt. Aber selbst diese Hülle lässt die Besucher ein klein wenig erahnen, wie es aussehen könnte, wenn diese Lücke künftig wieder mit einer Orgel gefüllt ist. Im Oktober 2019 soll Orgelbaumeister Reinhardt Hüfken aus Halberstadt die neue, alte Orgel für die Talstadtgemeinde vollendet haben.
Genau genommen entsteht aus zwei alten Orgeln ein neues Instrument. Es ähnelt einem Puzzlespiel, was die Orgelbauer in Bernburg vorhaben. »Man baut nach historischem Vorbild, nutzt, was noch da ist, und ergänzt durch neu angefertigte zusätzliche Teile«, beschreibt es Pfarrer Johannes Lewek, der auch im Vorstand des Orgel-Fördervereins ist.
Reinhardt Hüfken restauriert, recycelt und ergänzt die kümmerlichen Reste der ursprünglichen Röver-Orgel aus dem Jahre 1904 sowie der ebenfalls von Röver stammenden Orgel aus der Stadtkirche im benachbarten Alsleben. Die Alsleber Orgel hatte der Förderkreis für symbolische 500 Euro erworben, nachdem der dortige Gemeindekirchenrat 2012 beschlossen hatte, die Stadtkirche aufzugeben.
So stapeln sich auf der Orgelempore vor dem leeren Prospekt einige Holzpfeifen. In einer Ecke lagern wenige verbliebene Metallpfeifen und gerahmt wird alles von den Schwellkästen. Andere Teile sind in einer trockenen Scheune zwischen- gelagert. »Viele Metallpfeifen sind geraubt worden, als die Marienkirche in den 1980er Jahren aufgegeben worden war«, sagt Johannes Lewek.
Nach der Wende dann die Wende. Kirchengemeinde und Stadt entschieden sich, die Marienkirche zu restaurieren und wandten insgesamt rund 10 Millionen Euro dafür auf. Die Restaurierung der Orgel ist der krönende Abschluss.
Für das Orgelprojekt hatte sich 2009 der zurzeit 48 Mitglieder starke Orgelförderverein gegründet, der unter dem Motto »Mäuse für Marien« und mit allerlei kreativen Aktionen um Spenden für die rund 375 000 Euro teure Restaurierung wirbt. Anders als bei einer Neuanschaffung halten sich die Kosten dafür im Rahmen. Darüber hinaus, so schreibt es der Förderverein auf seiner Internetseite, werde in Bernburg eines der letzten großen Orgelwerke von Ernst Röver »wieder zum Leben erweckt«. Ähnlich große und erhaltene Röver-Orgeln mit über 30 Registern gibt es noch in vier Quedlinburger Kirchen und in der deutsch-reformierten Kirche in Moskau.
Rund zwei Jahre dauern Recycling und Restaurierung der Orgel(n) in der Marienkirche. Eine Orgelfestwoche schwebt Pfarrer Lewek vor, wenn die neue, alte Orgel vollendet ist. »Dann soll die Orgel in ihrer ganzen Vielfalt erklingen«, wünscht sich Hobby-Saxofonist Lewek, der auch schon eine Vorstellung hat, wie vielfältig das Programm sein kann. »Natürlich ein klassisches Orgelkonzert mit ordentlich Bach, aber ich hätte auch gerne Jazz und Orgel.«

www.talstadtgemeinde-bernburg.de

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Online-Redaktion aus Weimar

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