»Überall sehe ich meine Pflänzchen wachsen«

Abschied von Vertrautem: Claudia Mendel hat 20 Jahre die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis Ballenstedt geprägt.
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Neue Aufgabe: Ballenstedter Gemeindepädagogin Claudia Mendel wird Lehrerin

Von Uwe Kraus

Ein passendes Bild: Gemeindepädagogin Claudia Mendel räumt nach Weihnachten auf, sortiert die Kostüme des Krippenspiels. Es ist ein Aufbruch für die gerade 55-Jährige, die am 21. Januar aus ihrem Amt verabschiedet wird und zum 1. Februar eine nicht weniger wichtige Stelle antreten wird: Ihr Weg führt sie an die Evangelische Grundschule Aschersleben als Lehrerin.
Sie will keinen großen Rummel um ihre Person und geht beruhigt ohne Bauchschmerzen, denn zu ihrer Verabschiedung wird ihre Nachfolgerin Kathrin Preuß von Landespfarrer Matthias Kopischke ins Amt der Gemeindepädagogin im Kirchenkreis Ballenstedt eingeführt. »Aber wenn ich die Zeit Revue passieren lasse, kommt in über 20 Jahren schon Einiges zusammen.« Die gelernte Erzieherin begann 1990, sich ehrenamtlich für den Kindergottesdienst und das Krippenspiel zu engagieren. Als ihre Töchter klein waren, ging es mit auf Kinderfreizeiten. Ihre Vorgängerin Renate Pfautsch, eine erfahrene Katechetin, ging zufrieden in den Ruhestand, als sie miterlebte, wie sich Claudia Mendel von 1995 bis 1999 am Pädagogisch-Theologischen Institut in Drübeck all das holte, was für die hauptamtliche Gemeindearbeit wichtig ist. Wie sie das mit vier Kindern schaffte, wundert sie heute noch.
Sie gehörte zur ersten Generation der Gemeindepädagogen, die an die Stelle der Katecheten traten, um christliche Inhalte nicht weniger christlich, aber auf andere Art und Weise in der Kinder- und Jugendarbeit zu vermitteln. 1998 hängte sie ihren Erzieher-Job an den Nagel und entwickelte die Kindernachmittage in der Gemeinde (in einem alten Haus ohne Wasser und mit Dixi-Klo) und wirkte am Konzept für das neue Gemeindehaus ab 2000 mit. Der ökumenische Familiennachmittag entstand mit der katholischen Gemeinde, aus ihrem Hauskreis entsprang das Osterfrühstück, das unterdessen um die 100 Teilnehmer anzieht. 2010 startete die Nicolaigemeinde mit Katholiken und Baptisten in Ballenstedt eine Evangelisierungsaktion.
Für Claudia Mendel war es ein stetes Suchen nach neuen Formen der Arbeit im Kirchenkreis Ballenstedt. Die Kindertagesstätte, getragen von der Anhaltischen Diakonissenanstalt, und die Grundschulen, an denen sie Religionsunterricht gab, machte sie zu Partnern. 1999 gründete man in Ballenstedt eine Laienspielgruppe. »Nicht nur, dass wir Musicals hier im Schlosstheater aufführten, die Niki-Kids, nach unserer Nicolai-Kirche benannt, gastierten sogar mit Erfolg in der Partnerstadt Kronsberg.« Als »Sahnehäubchen« sieht die Gemeindepädagogin das 2014 geschaffene Christliche Kreativzentrum »David«, das besonders benachteiligten Kindern »einen Pool kreativer Angebote« bietet. »Wir spüren dabei, wie dort das soziale Maiteinander wächst.«
Aus dem »Fun-House« wuchsen Jugendgottesdienste, die heute, so Claudia Mende, »vier evangelische Generationen vereinen.« Pfarrer Theodor Hering ließ ihnen viele Freiheiten. »Unterdessen hat sich durch das Erwachsenwerden der Gründer die Organisationsform gewandelt. Die Vorbereitung läuft über die sozialen Medien und in Chatrooms, aber auch das ist modernes Kirchenverständnis.« Claudia Mendel spricht auch von ihrer »Zerreißprobe«. Sie erinnert sich: »Vor einigen Jahren stand ich plötzlich vor der Aufgabe, nicht nur an meinen beiden Ballenstedter Grundschulen, sondern an sechs verschiedenen Schulen mit vier Schulformen Religion zu unterrichten. Ich habe viele Kontakte geknüpft, überall kannte man mich. Doch das, was mich als Gemeindepädagogin treibt, kam zu kurz.«
Mit etwas Stolz in der Stimme meint Claudia Mendel: »Überall sehe ich meine Pflänzchen wachsen.« Ihr »Überall« erstreckt sich von Harzgerode über das heimische Ballenstedt bis nach Frose, wo sie zu Weihnachten den Gottesdienst nebst Krippenspiel gestaltete. Als hauptberufliche Gemeindepädagogin verlässt sie zwar Ballenstedt, ihr ehrenamtliches Engagement endet aber damit nicht. Und die Verbindung zur Nicolaigemeinde ist kurz: Ehemann Wolfgang wurde gerade in den Gemeindekirchenrat wiedergewählt.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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