Nächstenliebe ist entscheidend

Internationale Begegnung beim Einrichten des neuen Treffpunktes in der Schlotheimer Gartenstraße: Muhamad, Suleiman, Pfarrer Frank Freudenberg, Abdullah und Grmawi (v. l.) lernten sich schon bei den gemeinsamen Arbeitseinsätzen kennen.
  • Internationale Begegnung beim Einrichten des neuen Treffpunktes in der Schlotheimer Gartenstraße: Muhamad, Suleiman, Pfarrer Frank Freudenberg, Abdullah und Grmawi (v. l.) lernten sich schon bei den gemeinsamen Arbeitseinsätzen kennen.
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Für seine Haltung und tatkräftige Unterstützung dort, wo es nötig ist, erhält der Schlotheimer Stadtpfarrer Frank Freudenberg den Couragepreis des Mühlhäuser Vereins »Miteinander«. Mit dem Arbeitskreis »Asyl« praktiziert er Nächstenliebe und wirbt
für Toleranz.

Von Claudia Götze

Begegnungsfeste mit Flüchtlingen, Luftballons und Sonnenblumen gegen AfD-Versammlungen. Bei der 8. Verleihung eines Couragepreises des Mühlhäuser Vereins »Miteinander« gehört der Schlotheimer Stadtpfarrer Frank Freudenberg zu den sechs Preisträgern. Der Eisenacher Regionalbischof Christian Stawenow würdigte in seiner Laudatio am Mittwochabend sein Engagement für den Arbeitskreis »Asyl« in Schlotheim, der vor knapp zwei Jahren gegründet wurde. Damals begann der Flüchtlingszustrom in die Gemeinschaftsunterkunft Obermehler, keine zwei Kilometer von Schlotheim entfernt. Es galt, mangels offizieller Informationen, vor allem der Gerüchteküche und der großen Verunsicherung entgegenzuwirken und als christliche Kirchengemeinde eine Aufgabe zu übernehmen.
Recht schnell formierte sich im Schlotheimer Pfarrhaus ein Arbeitskreis mit Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche, die im Juni 2015 das erste Begegnungstreffen in Obermehler organisierten. Im Zuge der Vorbereitung erweiterte sich der Kreis erheblich: Gewerbetreibende aus Schlotheim, das Sportinternat (Elfi Fernschild), die Kommune, viele Mitglieder der Zivilgesellschaft kamen dazu.
Mittendrin Pfarrer Freudenberg als die integrierende und koordinierende Person. Der Arbeitskreis »Asyl« konzentrierte sich seitdem auf praktische Hilfe, organisierte Fahrräder, Kinderwagen, Spielzeug und Bekleidung. Weitere Veranstaltungen für Einheimische und Asylbewerber, wie der 1. Schlotheimer Stadtlauf, ein Integratives Fußballturnier und mittlerweile zwei Adventsnachmittage, sorgten für Begegnungen zwischen Einheimischen und Zuwanderern. »Unsere Stärke ist die Vielfalt an Leuten und Institutionen«, denkt der 42-jährige Freudenberg.
Ende 2015 dann erste Überlegungen zu einer dauerhaften Einrichtung für Begegnungen. Da das von keiner der beiden Schlotheimer Kirchengemeinden zu leisten war, wurde nach einem Partner gesucht und im Diakonieverein Novalis in Ebeleben gefunden. In wenigen Tagen wird die Begegnungsstätte eröffnet.
»Ich bin Pfarrer für Schlotheim und Umgebung und deswegen liegt mir das Wohl der Stadt und der Umgebung am Herzen«, sagt Freudenberg. Die aktuelle Situation im Rahmen der Flüchtlingsbewegungen sei eine große Herausforderung für Schlotheim und das Umland. Ihm liege aber auch das Wohl der Region am Herzen, und er möchte sich für den sozialen Frieden in Schlot­heim einsetzen. »Ich sehe, dass diese Aufgabe von anderer Stelle nicht wahrgenommen wird«, erklärt Freudenberg.
»Ich habe noch nie in meiner Tätigkeit als Pfarrer so viel über Matthäus 25 nachgedacht und gepredigt wie in diesen zwei Jahren, also über dieses Gleichnis, in dem die Nächstenliebe das entscheidende Kriterium ist«, blickt Freudenberg zurück.
»Der zeitliche Umfang der Tätigkeit war enorm, in manchen Wochen nahm er ein Drittel meiner Zeit in Anspruch. Es gab Wochen, in denen die Arbeitsbelastung grenzwertig war.« Freudenberg spürt auch, dass es in der Bevölkerung und auch in der Kirchengemeinde viele gibt, die sein Engagement für die Flüchtlinge nicht nachvollziehen können. »Ich erlebe aber keine offenen persönlichen Anfeindungen oder Bedrohungen und dafür bin ich sehr dankbar«, sagt der 42-Jährige. »Nichtsdestotrotz ist mir bewusst, dass ich mich sehr angreifbar mache durch dieses Engagement.«
Er habe auch einiges Negative erlebt: Im September 2016 lud Björn Höcke zu einem offenen Bürgerdialog in die Fuhrmannsschenke in Obermehler ein. Viele Mitglieder des Arbeitskreises erschienen mit Sonnenblumen, Luftballons und Plakaten wie »Asyl ist ein Menschenrecht«, »Das christliche Abendland retten, heißt Nächstenliebe üben« oder »Integration durch Sport«, um ein Gegenstatement abzugeben. Diesen Protestanten wurde wie auch Pfarrer Freudenberg der Zutritt verweigert. Sie wurden beschimpft unter anderem mit: »Warte nur, wenn wir erst an der Macht sind, haben Menschen wie ihr Berufsverbot.«
»Genauso negativ erlebe ich die Entscheidungen des Kreistages des Unstrut-Hainich-Kreises, die Unterbringung in Obermehler auf bis zu 1 000 Personen aufzustocken und alternative, dezentrale Unterbringungen nicht auf den Weg zu bringen, wie es in anderen Landkreisen gut gelingt. Das erschwert die Integration erheblich.«

Autor:

EKM Süd aus Weimar

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