Studenten aus Münster sammelten Erfahrungen beim Lesen originaler Quellen im landeskirchlichen Archiv
Handschrift ist nicht gleich Handschrift

Schriftkundige: Der Dessauer Archivar Jan Brademann (l.) mit den für einige Tage aus Münster angereisten Studenten (v. l.) Florian Probst, Hendrik Holzmüller, Anna Falke, Lukas Boch, Deborah Größwagen und ihrem Professor Michael Hecht.
  • Schriftkundige: Der Dessauer Archivar Jan Brademann (l.) mit den für einige Tage aus Münster angereisten Studenten (v. l.) Florian Probst, Hendrik Holzmüller, Anna Falke, Lukas Boch, Deborah Größwagen und ihrem Professor Michael Hecht.
  • Foto: Judith Brademann
  • hochgeladen von Evangelische Landeskirche Anhalts

Die Theorie mit der Praxis zu verbinden war das Ziel, das fünf Studentinnen und Studenten im Masterstudiengang Geschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Ende Juli nach Dessau-Roßlau führte. Im Archiv der Evangelischen Landeskirche Anhalts erforschten sie unter der Leitung von Juniorprofessor Michael Hecht und dem promovierten Historiker und Archivmitarbeiter Jan Brademann vier Tage lang Pfarrerbiografien. Mit dem Lesen originaler Quellen sammelten sie vorab Erfahrungen mit verschiedenen Schriften.
»Manche Handschriften, die nur schnell ›hingekritzelt‹ wurden, waren für uns schwer zu lesen«, so Lukas Boch und Anna Klara Falke. Denn wie sie und ihre Kommilitonen später in Dessau-Roßlau merkten, kann man einen Schrifttyp in der Theorie perfekt beherrschen, doch ist die Handschrift jedes Menschen einzigartig und deshalb entsprechend besser oder schlechter zu lesen.
Die Studenten wählten unter verschiedenen Zeitabschnitten und Schwerpunkten, zu denen im Landeskirchenarchiv Quellen vorhanden sind. Die Themen reichten von der Frühen Neuzeit (Visitationen des 17. Jahrhunderts, ein in pietistischen Netzwerken aktiver Pfarrer des 18. Jahrhunderts in Schortewitz) über das 19. Jahrhundert (der demokratische Pfarrer Christian Stein) bis zum 20. Jahrhundert (Pfarrer Arthur Schneider, der im Ersten Weltkrieg Kriegspredigten veröffentlichte und am Ende seines Lebens Memoiren verfasste).
Zudem bekamen die Besucher die Aufgabe, die Akten des Pfarrarchivs Grimme zu reinigen und zu verzeichnen. Damit lernten sie mehr über die »handfesten« Tätigkeiten eines Archivars. Weitere Einblicke verdankten sie dem promovierten Historiker Andreas Erb, dem Leiter des Landesarchivs Dessau, der die Gruppe durch sein Haus führte. Da die Unterlagen der beiden Archive weitgehend demselben historischen Raum entstammen, bot das Landesarchiv eine Komplementärüberlieferung. So fand eine Studentin auch dort zu ihrem Thema – der Absetzung eines Bernburger Superintendenten in den 1740er Jahren – Material und zudem den Grund der Entlassung heraus: Dem Mann Gottes wurde unter anderem »Vielweiberei« vorgeworfen.
Das Fazit der angehenden Historiker lautet: Es war spannend, da die intensive Beschäftigung mit Quellen in Originalform im Studium doch häufig zu kurz kommt. Die »besondere« Atmosphäre in dem in der Pauluskirche untergebrachten Archiv habe trotz Höchsttemperaturen anregend gewirkt.
(G+H)

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