Prof. Dr. Holger Helbig - Literaturwissenschaftler, Universität Rostock
ALZHEIMER IN DER LITERATUR - HIRNGESPINSTE - WOVON SCHRIFTSTELLER ERZÄHLEN
Die demografische Entwicklung hin zu einer alternden Gesellschaft spiegelt sich auch in der Literatur wider. Themen, die langeZeit tabuisiert wurden, rücken verstärkt in den Fokus – darunter die Alzheimer-Krankheit, eine Form der Demenz, die durch fortschreitenden Gedächtnisverlust und tiefgreifende Persönlichkeitsveränderungen gekennzeichnet ist.
In Deutschland sind derzeit rund 1,7 Millionen Menschen von Demenz betroffen –Tendenz steigend. Immer mehr Autorinnen und Autoren schreiben über diese „Erkrankung des Vergessens“. Sie entwerfen in ihren Werken ein komplexes Krankheitsbild und behandeln zentrale Aspekte unseres gesellschaftlichen Selbstverständnisses: Wie wollen wir mit unseren Eltern umgehen, wie für unsere Kinder sorgen, wann fühlen wir uns schuldig, wann schämen wir uns, und warum? Häufig werden diese Erzählungen im Umfeld der Kranken geschrieben, sie sind Selbsthilfe und Trost. In den seltensten Fällen handeln sie von Literatur, von Kunst im engen Sinne. Welche Rolle spielt Literatur in unserer Gesellschaft und in der Medizin?
Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Literaturwissenschaftler in seinem Vortrag. Helbig, geboren 1965 in Mühlhausen, ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Rostock.
Autor:EKM |