»Ich mache jetzt Platz für einen jüngeren Kollegen«

Karl-Heinz Schmidt in der Martinskirche in Bernburg, wo er 1993 Gemeindepfarrer wurde und es weiter bleibt.
  • Karl-Heinz Schmidt in der Martinskirche in Bernburg, wo er 1993 Gemeindepfarrer wurde und es weiter bleibt.
  • Foto: Engelbert Pülicher
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Karl-Heinz Schmidt wird am Sonntag nach 17 Jahren als Kreisoberpfarrer verabschiedet

Von Angela Stoye

Der 25. Juni ist ein besonderes Datum für Karl-Heinz Schmidt. Erstens ist das sein Geburtstag – in diesem Jahr der 59. Am 25. Juni vor 17 Jahren wurde der Theologe in sein Amt als Kreisoberpfarrer des Kirchenkreises Bernburg eingeführt, das er zuvor als Nachfolger von Tietmar Birkner eineinhalb Jahre amtierend ausgeübt hatte. Am 25. Juni 2017 wird er aus diesem Amt (mit 50 Prozent Stellenumfang) verabschiedet und gibt es zum Monatsende ab.
Er behält seine halbe Stelle als Pfarrer der Bernburger Martinsgemeinde und der Dörfer Latdorf, Gerbitz, Gramsdorf und Dröbel. Und er bleibt mit seiner Frau Carmen, die als Pharmazieingenieurin in einer Apotheke arbeitet, in Bernburg wohnen.
Die Entscheidung, das Amt aufzugeben, hat sich Karl-Heinz Schmidt nicht leicht gemacht. Er hat lange nachgedacht und sich in einem Ostseeurlaub entschieden. Nun geht die Zeit der Doppeltätigkeit in Kirchenkreisleitung und Pfarramt auf seinen Wunsch zu Ende. »Für mich ist es gut, nach zwei mal acht Jahren Platz zu machen für einen jüngeren Kollegen, der neue Impulse gibt«, sagt er. Die Leitung des Kirchenkreises übernimmt ab 1. Juli der Bernburger Pfarrer Sven Baier kommissarisch für zunächst ein Jahr.
Karl-Heinz Schmidt stammt aus einer christlichen Familie und wuchs im anhaltischen Hecklingen auf. Zu seinen Erinnerungen an Kindheit und Jugend gehört der Druck, sich in der Schule für seinen gelebten Glauben rechtfertigen zu müssen. Dem wollte er etwas entgegensetzen, wollte es genauer wissen und entschied sich für ein Studium der Theologie. Zudem habe ihm das Berufsbild des Pfarrers imponiert, was die Tatsache einschloss, nicht gleichgeschaltet zu sein.
So studierte er an den Universitäten in Berlin und Leipzig Theologie und ging 1983 als Vikar in den Kirchenkreis Bernburg zurück, und zwar nach Sandersleben. Dort wurde er am 21. Juli 1985 ordiniert und blieb mit seiner Familie bis 1993. Zur Wendezeit war er, wie viele seiner Amtskollegen, Moderator eines Runden Tisches. Die Erfahrungen aus seinen Jahren in der Jungen Gemeinde kamen ihm in seiner Zusatzaufgabe als Bernburger Kreiskatechet von 1987 bis 1997 zugute. Mit dem Wechsel 1993 in die Bernburger Martinsgemeinde wurde Karl-Heinz Schmidt auch stellvertretender Kreisoberpfarrer und später noch Kreisdiakoniepfarrer.
Den Jahrzehnten der Berufstätigkeit und der Tatsache, als Christ in Ostdeutschland immer in einer Minderheitensituation zu leben, stehen Veränderungen gegenüber: »Ja, wir sind immer weniger geworden«, sagt Karl-Heinz Schmidt. Habe der Kirchenkreis Bernburg im Jahr 2000 noch rund 12 800 Gemeindemitglieder gezählt, seien es zurzeit noch etwa 7 200. »Und es sind immer weniger Kollegen geworden«, bedauert er. Doch Pfarrer in einer Kleinstadt und auf Dörfern zu sein, birgt für ihn auch Chancen. »Hier kommt man schnell in ein Netzwerk engagierter Menschen hinein«, sagt er. Und so engagierte er sich ehrenamtlich zum Beispiel im Arbeitskreis Jüdische Geschichte oder im Bernburger Bündnis für Demokratie und Toleranz.
Als Pfarrer in einer halben Stelle will sich Karl-Heinz Schmidt wieder mehr auf die Basisarbeit konzentrieren. In einer Zeit, in der kirchliche Strukturen sich stark verändern, sei es sehr wichtig, hier dranzubleiben und auch Kommunikationsmöglichkeiten zu schaffen. Was sich daraus entwickelt, werde sich zeigen. »Ich glaube aber nicht«, ist sich der Pfarrer trotz der gesunkenen Zahl an Gemeindegliedern sicher, dass »unsere Gesellschaft so religionslos ist, wie vielfach behauptet wird«.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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