Das Geheimnis von Mühlberg

Blick auf das Heiligenfenster mit der Heiligen Veronika (links) und Johannes dem Täufer (rechts)
  • Blick auf das Heiligenfenster mit der Heiligen Veronika (links) und Johannes dem Täufer (rechts)
  • Foto: Veit Rösler
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Über den Köpfen der Einwohner von Mühlberg an der Elster liegt möglicherweise seit mindestens 457 Jahren, vielleicht sogar noch sehr viel länger, ein vor aller Augen sichtbares Geheimnis.

Von Veit Rösler

Im obersten Stockwerk des »Museums 1547« in Mühlberg (Kirchenkreis Bad Liebenwerda), in dem sich einst die Kloster-Propstei des Klosters Marienstern befand, schauen mit der Heiligen Veronika und Johannes dem Täufer zwei Heilige exakt auf die Geometrie der in Übereinstimmung stehenden beiden Spitzen der Klosterkirche. Dieser Umstand könnte noch Zufall sein, doch auf Satellitenbildern ist von oben eine Rautentrigonometrie zu erkennen, welche zeigt: Das System könnte man vor Jahrhunderten vorsätzlich und wissentlich eingemessen haben!
Von einer Markierung im Torhaus/Hospiz aus ist in der exakten Südausrichtung auf einem Gebäude am Altstädter Markt ein Jakobsstab zu sehen. Dabei handelt es sich um ein simples, aber effektives Vermessungsgerät in der geodätischen Landvermessung, welches ebenso in der Astronomie eingesetzt wurde.
Rautentrigonometrien tauchen auf mittelalterlichen Darstellungen der Freimaurer auf, welche in der Geschichte ihrer Tradition die Geheimnisse der Vermessung von den Dombauhütten und wiederum daraus aus früheren Zeiten von den bauenden Mönchen der Kreuzritter übernommen haben. Mit ähnlichen astronomischen Systemen wurden mutmaßlich bereits in der Antike, wie zum Beispiel in Stonehenge, aber auch in Ägypten und in Jerusalem die Gestirne über der Horizontlinie vermessen. Auch in Frankreich werden immer wieder an den Templern zuzuordnenden mittelalterlichen Kathedralen und Burgen eindeutige astronomische Ausrichtungen bemerkt. Durch die Drehbewegung der Erde, durch die Sommer-Winter-Schwankung und durch ihre Bahn um die Sonne tauchen die Gestirne im Osten immer an etwas verschobenen Punkten auf. Aus dieser Verschiebung können Vermesser und Astronomen nicht nur wichtige Daten für die Landwirtschaft, sondern auch Positionen auf der Erdkugel bestimmen. Sie waren quasi die Kalendarien und Navigationsgeräte der Antike und des Mittelalters.
Von der Geometrie her könnte mit einer solchen Anlage wie in Mühlberg über den Polarstern (Zirkularpunkt) im Norden und mit der Südausrichtung über den Jakobsstab im Süden dann in Richtung Osten über die Klosterspitzen durch das nun gebildete Trigonometrische Dreieck vermessen werden. Mit dieser mit dem bloßen Auge ohne Fernglas bzw. ohne Teleskop anwendbaren Visiermethode können die Gestirne unserer Milchstraße und immerhin noch der 2,2 Millionen Lichtjahre entfernte Andromedanebel als das am entfernteste, mit bloßem Auge erkennbare Objekt vermessen werden. Bei den Nachforschungen im »Fall Mühlberg« zeigte sich: Die Kreuzritter des Deutschen Ordens waren ab 1223 in der Nähe in Dommitzsch an der Elbe in einer Commende aktiv. Die Ersterwähnung von Mühlberg war 1228. Dommitzsch liegt 35 Kilometer und damit einen Tagesritt von Mühlberg und genauso weit auch von Wittenberg entfernt. Der für die Vermessung zuständige Landmeister des Ordens Hermann von Balk (–1239) soll sich zu dieser Zeit in Mühlberg aufgehalten haben. Genau weiß man: Hermann von Balk hat drei Jahre nach Mühlberg 1231 die Stadt Thorn eingemessen. Weitere interessante Spuren führen damit zu Astronom Nikolaus Kopernikus, welcher im Kloster Thorn aufgewachsen ist, und auch zum zweiten großen Astronomen der Neuzeit, Tycho Brahe, welcher ab 1560 in Wittenberg studiert hat. Denn auch in Wittenberg scheint mit der Marien-Stadtkirche und dem Nordturm der Schlosskirche die gleiche Geome­trie eingebaut worden zu sein.
Hinter dem in Mühlberg gefundenen System könnte sich sowohl für Mühlberg, für Thorn als auch für Lutherstadt Wittenberg eine astronomische Sensation verbergen. Die Geometrien sind noch immer vor aller Augen sichtbar vorhanden. Die Geometrie lügt nicht! Tiefgründig nachzulesen sind die geometrischen und geschichtlichen Zusammenhänge zwischen antiken Bauwerken, dem Kloster Mühlberg und der Stadt Wittenberg im am 18. Dezember 2016 erschienenen Buch »Das Universum in der Königskammer«.

V. Rösler: Das Universum in der Königskammer. Ausgleich der Gravitation mit der Cheops-Pyramide, Books on Demand, 488 S., ISBN 978-3-74311-876-8, 39,90 Euro
Bezug über den Buchhandel oder den Bestellservice Ihrer Kirchen­zeitung: Telefon (0 36 43) 24 61 61

Autor:

EKM Süd aus Weimar

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