Auf dem Berge, wo Gott sieht ...
Genesis 22,14

Affresco da San Vitale, Ravenna

Um zu vernichten Abrams Samen,
versuchte Satan nachzuahmen

den HERRN und plante Finsternis,
so ähnlich, wie Gott einst das Licht.

Als siebunddreißigmal die Sonne
sich hat erneut zu frischer Wonne,

da war auch Isaak entwachsen
der Kinderzeit samt Jugendfaxen.

Ist über Nacht zum Mann geworden -
nun trachtet Satan, ihn zu morden.

Warf sich in eines Engels Kleid
und rief dem Vater: „Sei bereit -

bring mir den Jüngling, der so lacht,
als Opfer dar und meiner Macht.

Du kennst mich wohl! Ich bin der HERR -
will prüfen dich und deine Ehr.“

Der Alte nimmt am Morgen früh
den Sohn. Und Sara weint, wie nie. 

Auch müssen Messer, Brennholz, Feuer
und Knechte mit in's Abenteuer …

Am Berg, nach Tagen angekommen
- die Sicht ist klar, die sonst verschwommen -

meint noch der Sohn mit banger Frage:
“Wo, Vater, ist das Lämmlein, sage.”

Der Vater lässt die Knechte stehen,
heißt nur den Sohn, mit ihm zu gehen.

Nach oben schweift des Alten Blick:
Zwei ziehen hin. Wer kommt zurück?

Den Pfad ist’s grausam zu erklettern.
Ach, könnt man in die Schlucht sich schmettern ...

Dem Sohn glückt's eher anzulangen,
„wo Vater bleibt“ geht all sein Bangen.

Er wünscht mit reinem Herze fein:
„Kein Unheil ihm gescheh‘n soll sein!“

Am Gipfel liegen große Steine,
die nimmt er und ruft: „Ihr seid meine.

Will schichten euch zum Hochaltar,
damit das Opfer werde wahr.”

Der Vater aber leidet Hölle:
Es will - und will doch nicht der Wille.

„Hier ist das Messer - wo die Brust?”
Stürb‘ selber man, wär’s kein Verlust.

Was noch? Behänd auf schmalem Pfad,
zu stiften Unheil auf dem Grat,

mit Widders Maske angekommen,
hat Satanas den Berg erklommen.

Wählt sich im Busch versteckt den Sitz
und flüstert: „Hau und stich und ritz.”

Doch flüstert Abrams Engel auch:
“Sieh diesen Widder dort im Strauch:

Ist Sarahs Erster Isaak,
und nimmt das Jahr im Widder Trab,

flugs eine Beide zur Ikone.
Dann opfre eins - das andre schone.”

Ein Sprung, ein Ruf, ein harter Griff -
der Dolch durch Satans Kehle pfiff.

Und Isaak, der lacht: „Von wann"
rief er „kam dieser Bock heran?”

Dass man dies Opfer geistlich feire,
sprach Abraham: "Das Ungeheure

täuscht oft so lang, bis alles kniet.
Gott aber hier am Berge sieht.”

Nachdem die Mahlzeit man genossen
(Rauch für die Himmel, Trank gegossen),

steigt man gestärkt zu Tal hinab,
sie kehren heim vom leeren Grab.

Und Satans allbekannter Geist?
Verließ den Leib, ist abgereist -

schwang sich aus schwarzer Ader Riss
zur Hölle, fletschend das Gebiss.

Was barg er sich beim Feuerstrauch,
zu täuschen Vater Abram auch?

Betrügen woll't das böse Vieh -
doch das misslingt. Ihr wisst nun wie.

Am Fuß der alten Opferberge
sieht man die Knechte steh'n wie Zwerge.

Ihr Abstieg lang - der Weg nach Norden,
die Kleinen sind bald groß geworden:

„Wie war's, was sagte Gott zu dir?“
die Knechte frugen: „Welches Tier

zum Opfer gabt ihr auf der Klamm?“
Da sang vom Widder Abraham.

Schnell geht es weiter. Und im Zelt
ist Sarah da, die alles hält.

Kaum einer ahnt, was draußen war,
wo sich ein Wunder selbst gebar …

Autor:

Matthias Schollmeyer

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