die Silberschnur
des Predigers

DIE SEELE - William Blake (28. November 1757 in London; † 12. August 1827)
  • DIE SEELE - William Blake (28. November 1757 in London; † 12. August 1827)
  • hochgeladen von Matthias Schollmeyer

Herbstliche Bilder beschatten die Erinnerungen an den Sommer. Jahr für Jahr. Alles verneigt sich. Blätter, welche eben noch Knospen waren, fallen. Je älter wir werden, um so rascher. In dem hochbesonderen Büchlein KOHELET (Predigttext des kommenden Sonntags) beschäftigt sich die Bibel mit den Erfahrungen der Ewigkeit: Ein Prediger beschreibt, wie jedes Ding seine Zeit hat. Im Gedankenexperiment lässt der unbekannte Autor poetisch den menschlichen Leib vergehen. Fast alle bekannten Körperteile kommen da vor: „Denke an den Schöpfer, bevor die Jahre herannahen, an denen du kein Gefallen mehr hast! Wenn die Wächter zittern, die Müllerinnen müßig gehen, man sich vor der Anhöhe fürchtet - ehe die Silberschnur reißt. Denn der Mensch kehrt heim zur Erde als Staub. Doch der Geist wendet sich wieder zu Gott, der ihn gab“ (Koh 12,6).

Wächter? Das sind die beiden Arme. Müllerinnen? Unsere Zähne. Die Furcht vor der Anhöhe - das müde Herz. Und der Silberstrick? Im Urtext der Hebräer kommt dieses Wort mit dem Zahlenwert Sieben daher und lenkt uns direkt auf die Hochebene urheiliger Begriffe. Als Sieben verbindet diese Schnur den Menschen (Sechs) mit der Acht des Gottesnamens. An einer Silberschnur tritt die Seele - wenn der Mensch schläft - aus dem Leib und erforscht träumend jene Dimensionen, welche verborgen bleiben, wenn der Körper auf der Lauer liegt. Von schimmerndem Bande geführt - und zugleich am Entweichen gehindert - schaut der Geist „das große Andere“. Reißt das Seil, kehrt die Seele nicht mehr zurück.
Die Silberschnur verbände also den Körper mit ihm unbekannten Fernen? Kann schon sein … Anatomisch ist diese Schnur zwar von keinem Pathologen jemals seziert worden - aber was für ein kostbares Bild! Ihm widmen wir uns in Jesu Namen, bevor die Verbindung reißt! Nehmen uns die Zeit für das Wirkliche. Ehe es zu spät ist. Warnung und Trost - Tag und Nacht gültig.

Autor:

Matthias Schollmeyer

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