von der Himmelfahrt
Jesu Christi

Nach allen diesen wunderbaren Dingen
befiel die Trauer uns. Wir ahnten schon,
dass wir alleine nun bald alle gingen -

weil Gott ihn rief - zurück an seinen Thron.
War’s deshalb, dass uns Christus wollt‘ bestellen,
zu einem Hügel voller rotem Mohn?

Der Wind blies und bewegt das Gras in Wellen,
in Rot der ganze Berg stand wie entflammt.
Wir spürten unsre Tränen reichlich quellen,

zu herbem Abschied waren wir verdammt.
So viel verriet er uns in vierzig Tagen,
wir zittern heute noch. Doch er, entspannt,

riet uns, als wir ringsum im Kreise lagen:
„Bedeckt die Augen euch mit einem Blatt
der roten Blumen hier, die reichlich ragen.“

Wir folgten seiner Bitte müd’ und matt.
Bald ward es heilig um uns her und stille,
der Wind bewegte sacht des Mohnes Saat.

Wem jemals ward solch Blütenblatt zur Brille,
dem wich vor Morpheus Wachsamkeit und Wille. 

Der Mittag kam mit ganzer Kraft und Hitze,
fast alle nickten langsam schließlich ein.
So fuhr herab die Sonn von Himmels Spitze

bis Abend mochte es geworden sein ...
Nach Stunden erst von unsern Augen nahmen
die Blätter wir, so rot, so zart, so fein.

Doch als wir endlich wieder zu uns kamen,
war längst entschwunden Meister Christ und fort.
Leer unser Kreis! Des Himmels blauer Rahmen

nur spannte weit sich aus ob jenem Ort.
Sie sagen, in den Himmel aufgefahren
sei er gemäß uraltem Gotteswort.

Doch Lazaro, der aufstand vor drei Jahren,
zerriss sein Augen-Blatt der Sonnenwind.
Durch einen feinen Spalt, wie den von Haaren,

bestaunte er, wie sie gefahren sind:
Erst eilte Christus fort mit langen Schritten
und quert das Mohnfeld, wie im Tanz ein Kind.

Dann ließ von einer Wolke er sich bitten
und stieg hinauf zu sphärischen Transiten.

Autor:

Matthias Schollmeyer

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