Vorfreude ...
... auf Hegels Geburtstag

Georg Wilhelm Friedrich Hegel 
* 27. August 1770 in Stuttgart; † 14. November 1831 in Berlin
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel
    * 27. August 1770 in Stuttgart; † 14. November 1831 in Berlin
  • hochgeladen von Matthias Schollmeyer

Der Mann wird 250 Jahre alt - am 27. August, einen Tag vor Goethe. Wen bringt die Vorfreude da nicht zum Niederknien? Nachdem Kant das Fundament banalen Denkens in Königsberg gerade zermalmt und (verkürzt gesprochen) verkündet hatte, dass man über Gott keine genauen Aussagen treffen könne, welche Anspruch auf echte Wahrheit erheben könnten, hat der Stuttgarter die Sache wieder etwas zurecht gerückt: Durch Flucht nach vorn wurde kurzerhand irgendwie alles im 3/4-Takt der Helgelschen Denkfigur zu Gott gemacht. Realität außerhalb Gottes gab es seitdem nicht mehr. Jenen Alten, von dem Einstein behauptete, er nutze keine Würfel, nannte Hegel „Weltgeist”. Dieser schreitet gemessen durch die Geschichte. Ganz gleich, was geschieht, ob die Maus stirbt, oder der Planet, ob Gletscher schmelzen oder Christen ausgerottet werden - in all dem kommt der Weltgeist zu nichts anderem als zu sich selbst. Auch in Dir (ja - Du! bist gemeint) erkennt sich der Weltgeist ein Stückchen besser, als er sich vorher bereits gekannt haben mag. Für eine solche Gottheit ist die alte Schlachtbank der Geschichte als Schädelstätte jene Bühne, von deren Brettern aus immer wieder mutig aufgebrochen werden darf, um mit neuen Erfahrungen nach dorthin zurück zu kehren. Erfahrung ist nämlich das, was man bekommt, wenn man nicht bekam, was man wollte. Und darum geht es ja - um Erfahrung. Hegel lesen macht großzügig und heiter - und auf eine gute Weise auch müde. Man sagt, die Theologie verhält sich zur Philosophie so, wie Joseph zu Potiphars Frau. Er unterwarf sich ihr zwar nicht, hätte sie aber eigentlich doch schon recht gerne genommen. Man weiß deshalb bis heute nicht genau, aus welchem dieser beiden Gründe mehr der Sohn Jakobs ins Gefängnis musste. Aber das ist der Weg. Die Theologie hat sich immer wieder einmal der Philosophie verweigern wollen, aber dann ist sie doch genauso regelmäßig schwach geworden. Weil das Denken so schön ist und wohl auch klug macht. Die alte Verführung der Schlange auf dem Wege Gottes zu sich selbst. Ja, - Hegel im Gefängnis der Sachzwänge lesen muss man, ohne vor den Gittern, durch die man von außen dabei betrachtet wird, zu kapitulieren. Oder Odysseus! Nur zum Beispiel. Der konnte (ohne zu sterben!) die Sirenen anhören, weil er sich kurz vor der Passage des berühmten Felsens am Mast seines Kahns fesseln ließ und den Ruderern befahl, mit Ohren voll Wachs zu rudern, was das Zeug hält. List gegen List - so wird ein Schuh draus.

Hegel hat in der Theorie bewiesen, dass nur das Realität ist, was auch dann nie weggeht, wenn man nicht dran glaubt. Damit meint er natürlich in erster Linie den Gottesgedanken, auf den man immer stößt - egal wohin oder woher man schaut. Der Monotheismus ist demnach die Konsequenz des wirklich reflektiert und gebildeten Atheismus. Und der hat sich in einem "buddhistisch-verdächtigen" (K)Ein-Gott-Glauben seine zwölftonige Liturgie gegeben, der man gut zuhören kann, weil sie fromm macht. „Brüder überm Sternenzelt muss ein guter Vater wohnen!” ist einer ihrer wichtigsten Hymnen - und natürlich „Christ ist erstanden von der Marter alle!” Wer Sinn und Geschmack für solche Äther hat, wird die Kirche weiter zu schätzen wissen, auf deren Rücken der Weltgeist gerade mit den Spices der EKD  spazieren zu gehen scheint. Haltet aus! Bleiben wir zusammen! „Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, / Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten” dichtet Siddharthas Freund, der Missionarssohn mit Nickelbrille und Strohhut aus Calw. Die Losung für den Geburtstag Hegels übrigens wird lauten: „Der HERR, unser Gott, hat uns behütet auf dem ganzen Wege, den wir gegangen sind” (Josua 24,17). Und der Lehrtext Matthäi am Letzten: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt!” Das hat er schön gesagt. So erkennt sich durch täglich kurze Selbstgespräche der Weltgeist in dem kleinen blauen Buch der Herrnhuter Brüdergemeine. Wenn das nicht ein Beweis ist!

Autor:

Matthias Schollmeyer aus Wittenberg

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