Er breitet
seine Arme aus …

Er breitet beide Arme aus. Sie schlagen
dem Fleisch des Gottes Eisennägel ein.
Sind´s Menschen noch, die solche Taten wagen -

der Sonnenball vermindert scheu den Schein.
Mit Schwung zieht man das Kreuz am Seil nach oben,
ihr Lachen einigt sich mit seinem Schrei´n.

Die Breite ihrer Höhe eingeschoben
verhindert, dass die Tiefe sich verschließt.
Von diesem einen Punkte ausgezogen

eröffnet sich ein Weg ins Paradies.
So steht das Kreuz als Zentrum unsern Welten -
und der dran hängt, hält alles, wie du siehst.

Doch wollte Christ die Peiniger nicht schelten;
er bittet seinen Vater um Erlass.
Und was er betet, das ist sonderselten:

„Vergib, sie wissen nichts. Drum tun sie das.“
Zwei Mörder neben Christus hangend sterben.
Der linke lästert ihn - das macht der Hass …

Der rechte aber möchte für sich werben
und bittet Jesus darum, Heil zu erben.

Christ ruft „Mich dürstet“. Seine Worte hallen ...
Mit einem Schwamme fährt man ihm zum Mund.
Darin ist Essigtrank vermischt mit Gallen,

hier draußen kam des Weinstocks Frucht zuhund.
Der Meister nimmt den Sud und flüstert Psalmen.
„Mein Vater, sag: Wo ist des Opfers Grund?

Noch gestern brachten sie mir Öl und Palmen,
heut spotten sie mir mit Aceticum.
Wie Ährenlast im Juli bricht den Halmen

das Haupt, so neig ich meins. Denn ist es um.“
Die Erde tut sich auf mit dumpfem Grollen
und Mumien aus den Grüften mit Gebrumm

zum Tempel geh´n. Ins Heiligste sie wollen,
seit dort des schweren Vorhangs Tuch zerriss.
Im Schreine bäumen sich der Schriften Rollen -

selbst unterm Kreuz der Hauptmann ahnet dies
und kniet am Fuß der Folterlatten nieder,
bekennend: „Der war Gottes Sohn gewiss!“

Die Dornen schrieben seine Worte nieder
mit roten Zeichen auf die bleichen Lider.

Autor:

Matthias Schollmeyer

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