DIE CORONABIBLIOTHEK
TEIL 2

George Peabody Bibliothek, Baltimore

"Geht der Leser nicht zur Bibliothek, kommt die Bibliothek zu ihm."
Marcello Cervini (1548–1555) - Protektor des Erzarchivs

Wie wir sicher alle auch, so hat ebenfalls der Knabe Martin Luder (später Luther) schlimm geträumt, offenbar sogar sehr schlimm. Folgen seiner Knabenträume ziehen sich nach Jacub Tusmenitzer durch die gesamte spätere theologische Arbeit und treibt hie und da in Bereiche rätselhafter Absonderlichkeiten, - genauer ausgedrückt - in die Gewächshäuser giftiger Blüten. Offenbar hat der andere Kenner der Lutherkinderträume (Dominicus Hetzer) dieselben gegen die Reformation nutzen wollen - und hat auch noch andere diesem Zwecke dienliche Quellen gekannt oder erschaffen, welche uns heute nicht mehr (oder noch nicht)  vorliegen. Zum Beispiel schreibt Hetzer über den „Agnisentraum“ Martins: „Da sieht man es ganz deutlich, - er ist vom Teufel besessen gewesen. Den die Protestanten heute fast als Heiligen verehren, ist der leibhaftige Diener der Leibhaftigen selbst.“  Wir Späteren können indessen über solche Bemerkungen grimmiger Gegenreformatoren nur erfreut lachen - wenn auch zugleich  betroffen. Denn das, was unseren Vorfahren allen so ernst zu sein schien, mutet uns Heutigen nicht mehr als Gaukelwerk des Satans an, sondern es sind willkommene weil ergötzliche Grillen im schwerer Zeit (Corona). Aber lest selbst:

Traum:
„Bin wieder drunten im Bergwerk. Der Vater hat mich geschickt, Körbe mit Erz zu sammeln. Ich steige hinab und sehe zwölf Körbe. In den Körben ist aber kein Metall noch Kupfererz - dafür stehen andere Körbe in den Körben. In ihnen wiederumb andere Körbgen bis in die Unendlichkeit hinaus. Sie werden immer kleiner an Gestalt. Die letzen kleinwintzigen Körbgen sind nicht mehr von denen zu unterscheiden, in denen sie stecken. Ich suche, die Körbe aus den Körben zu tun, - denn der Vater will das Erz gefördert wissen. Aber es gelingt nicht. Die Körbe lassen nicht nach. Ihre Anzahl ist immens. Ich erwache schweißgebadet. Ich schreie: „Die Körbe, die Körbe!“ und schlafe wieder ein. Ein Weyb dringt aus dem dunklen Stollen auf mich ein. Sie sucht mich zu packen, wie Potiphars Weyb den Joseph versuchte. Ich sage ihr ab. Da verwandelt sie sich in den Leibhaftigen und fliegt lachend mit allen Utensilia darvon. Sie sieht ähnlich der Agnisen von … (unleserlich). Womit soll ich nun das Erz heimtragen? Denn die Körbe sind von der Agnisa geraubet worden.“

Wir fügen  der Vollständigkeit halber diesem Traum noch den Kommentar Tusmenitzers (älterer Bruder Sigmund Freuds) an und bemerken nebenbei in Richtung des ahnenden Lesers, dass der Wiener Psychoarzt wahrscheinlich sehr viel von seinem Bruder Jacub gelernt haben mag. Ob Siegmund sein System, das die Nervenheilkunst revolutionierte, eigentlich selber erfunden hat, oder ob er "nur" ein paar geniale Gedanken seines älteren Bruders Jacub ausbauen musste? Das wäre zumindest möglich und ist eine interessante Frage!

Kommentar:
„Die 12 Körbe sind die Fülle des Ganzen. Und die Körbchen in den Körben sind die Entdeckung, dass das Ganze gar nicht das Ganze ist. Die Unbeholfenheit aber, das Ganze zu entleeren bzw. zu bewältigen, zeigt die Unfähigkeit, in der sich Luther im Blick auf die Gesamtheit seiner noch vor ihm liegenden Lebensaufgabe selbst begegnet. Eine Lösung könnte bei dem Weibe liegen, welches ihm im Stollen unter Tage begegnet. Zugleich aber ist diese Frau (ihr Name lautet Agnisa) eine große Gefahr. Sie nimmt ihm (Martin) die Körbe weg. Er bleibt dann mutterseelenallein, und kann die Aufgabe des Vaters nicht erfüllen. Was wäre geschehen, wenn der juvenale Luther der Verlockung jener Agnisa nicht widerstanden, sondern nachgegeben hätte? Kein Duell mit Buntz, keine Flucht, keine Gewitterlügen, kein Kloster, keine Reformation? Siehe den Traum des sechzehnjährigen Luther vom 12.12.1599 ( Verurteilung der Agnisa zum Feuertode).

Jeden Tag bis zum ersten Sonntag im Advent an dieser Stelle
eine neue Traumgeschichte und
ein anderes Bild von einer
berühmten Bibliothek

Autor:

Matthias Schollmeyer aus Wittenberg

Webseite von Matthias Schollmeyer
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