Ausstellung über Frauen im geteilten Deutschland
Herdheimchen kontra Rabenmutter

Foto: Katja Schmidtke

Ab dem kommenden Donnerstag (28. Mai) ist im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche in Mittel-deutschland (EKM) in Erfurt die Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“ zu sehen. Die Ausstellung beleuchtet Rollenbilder aus Ost- und Westdeutschland und wurde von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur konzipiert. Die Eröffnung erfolgt 11 Uhr durch Jan Lemke, Präsident des Landeskir-chenamts, und die Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland (EFiM). Die Ausstellung ist bis Ende Juli immer Montag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei.

Obwohl die deutsche Teilung seit über drei Jahrzehnten Geschichte ist, halten sich Klischees über Frauen aus beiden Teilen des Landes hartnäckig. Die Westfrau gilt oft als „Heimchen am Herd“ oder als knallhar-te Karrierefrau, während die Ostfrau im Kohlebergbau „ihren Mann“ stand oder als Rabenmutter bezeich-net wird, weil sie ihre Kinder in die Krippe gab. Die Westfrau gendert, während die Ostfrau damit nichts anzufangen weiß. Mal gilt die Ostfrau als Verliererin, mal als Gewinnerin der deutschen Einheit. Diese Zuschreibungen widersprechen sich oft, zeugen aber von der Überzeugung, man wisse genau, wie Ost- und Westfrauen ticken. Klar scheint: Sie ticken gleich, aber im Vergleich zum anderen Teil Deutschlands sehr unterschiedlich. Woher kommen diese Zuschreibungen? Was steckt dahinter?

Die Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“ sucht Antworten. Sie macht die vielfältigen Erfahrun-gen von Frauen sichtbar und zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Lebenswirklichkeiten. Zudem fragt sie, ob Frauen in beiden deutschen Staaten ein gemeinsames Streben nach Selbstbestimmung verbun-den hat.

Die EFiM widmen sich in diesem Jahr intensiv historischen Geschlechterbildern. Die Frauenvollversamm-lung am 5. und 6. Juni thematisiert Einflüsse politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Zum Programm gehören ein Vortrag und Gespräch mit Clara Marz, der Kuratorin der Ausstellung. Weiterhin ist am 24. August Valerie Schönian mit ihrem Buch „Ostbewusstsein“ beim Frauen*Salon in Halle zu Gast.

Hintergrund:
Die Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland (EFiM) mit Sitz in Halle (Saale) sind ein unselbstständi-ges Werk der EKM. Sie stärken und verbinden Frauen-Engagement in den Gemeinden und Kirchenkreisen, vernetzen sich mit anderen Frauenverbänden und beziehen Position in Kirche und Gesellschaft. Charakte-ristisch ist die Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlich aktiven Frauen. Mit Frau sind auch queere, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Menschen einbezogen.

Weitere Informationen im Internet: www.frauenarbeit-ekm.de

Autor:

susanne sobko

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