Streiter für die Einheit der Kirchen

Lebensechte Nachbildung: Julius Pflug in seinem wiedererstandenen Arbeitszimmer auf der Moritzburg. Aus überlieferten Inventaren weiß man etwa, was sich einst darin befand.
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  • Lebensechte Nachbildung: Julius Pflug in seinem wiedererstandenen Arbeitszimmer auf der Moritzburg. Aus überlieferten Inventaren weiß man etwa, was sich einst darin befand.
  • Foto: Vereinigte Domstifter/K. Prescher
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Zeitz hat Julius Pflug wiederentdeckt. Zum ersten Mal steht der Humanist und Kirchenmann im Zentrum einer großen Ausstellung.

Von Angela Stoye

Für fünf Monate ist er zurückgekehrt an den Ort seines einstigen Wirkens. Von der Berliner Figurenbauerin Lisa Büscher lebensecht nachgebildet, sitzt Julius Pflug in seinem Arbeitszimmer auf der Moritzburg in Zeitz: Butzenscheiben in den Fensterrahmen, ein Tisch mit Schieferplatte, ein Buch und davor ein ernster, hagerer Mann. Besucher können sich auch vorstellen, wie der letzte katholische Bischof des Bistums Naumburg auf sein Leben zurückschaut und alte Briefe noch einmal liest, darunter einen des Humanisten Erasmus von Rotterdam: »Wie sehr Dich diese ins Schlimme steigernden Spaltungen verdrießen, und mit wieviel Herzblut Du die von allen Frommen gewünschte Einheit der Kirche ersehnst, verehrter Julius, legen zur Genüge Deine so zahlreichen Briefe dar.«
Der Begriff Ökumene wurde in früheren Jahrhunderten nicht in der Bedeutung verwendet wie seit dem 20. Jahrhundert. Aber Pflug gehörte zu den wenigen in seiner Zeit, die die Spaltung der Kirche, die auf die Reformbemühungen Luthers folgte, aufzuhalten versuchten. Über Jahrhunderte war Julius (von) Pflug fast vergessen, tauchte sein Name allenfalls im Zusammenhang mit dem Naumburger Bischofsstreit 1541/42 auf. Jetzt würdigt ihn eine kulturhistorische Ausstellung, die Pfingsten in Zeitz eröffnet wurde und den Titel trägt »Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation«. Schirmherren sind Kurt Kardinal Koch und der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge. Denn Pflugs Wirken orientierte sich zeitlebens am Erhalt der Einheit der Christen. So gilt er heute als einer der wichtigsten katholischen Vordenker der Ökumene.
Julius Pflug wurde 1499 als Sohn einer kaisertreuen sächsischen Adelsfamilie geboren. Als Elfjähriger immatrikulierte er sich an der Universität Leipzig und setzte ab 1517 seine Studien in Bologna und Padua fort. Als Doktor beider Rechte machte er unter Herzog Georg dem Bärtigen schnell Karriere. 1539, nach dem Tod Georgs, wurde er Zeuge der erzwungenen Einführung der Reformation im Hochstift Meißen und zog sich nach Mainz zurück. Als der Naumburger Bischof Philipp starb, wählte ihn das Domkapitel 1541 zu seinem Nachfolger. Doch der evangelische Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, der sich übergangen fühlte, ließ im Januar 1542 durch Luther Nikolaus von Amsdorf als ersten evangelischen Naumburger Bischof einsetzen. Erst nach der Schlacht bei Mühlberg 1547, die mit der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes endete, zog Julius Pflug in sein Bistum ein.
1530 hatte er beim Reichstag in Naumburg mit der Verlesung der Confessio Augustana die Geburtsstunde des Protestantismus miterlebt. In den Folgejahren wurde er nicht müde zu mahnen, dass die Kirche zwar zu reformieren, aber nicht zu spalten sei. Auch als Bischof blieb Julius Pflug dem Ausgleich treu. Mit seinem Tod 1564 endete das katholische Bistum Naumburg-Zeitz.
Für die Ausstellung im Dom-Schloss- Ensemble und der Michaeliskirche haben die Vereinigten Domstifter als Träger rund 250 Exponate aus vier Ländern zusammengetragen.
Als zentrales Objekt sehen Besucher einen begehbaren Glaskristall – eine Installation, die die von Papst Franziskus geäußerte Vision von Ökumene als »versöhnter Vielfalt« verdeutlichen soll. In den Rundgang einbezogen sind sonst nicht zugängliche Räume wie die Christophoruskapelle des Domes und die Fürstenloge. Die heute aus knapp 900 Bänden und 1 700 Drucken bestehende Bibliothek des Julius Pflug wird im Torhaus des Schlosses präsentiert. Sie ist eine der wenigen, nahezu vollständig erhaltenen Privatbibliotheken der Reformationszeit. Hinzu kommt eine umfassende Korrespondenz mit über 300 Persönlichkeiten des 16. Jahrhunderts, die zum Teil nicht erforscht ist, aber Interessantes erwarten lässt. Schon Zeitgenossen würdigten Julius Pflug auf einer Gedenktafel: »Wie groß seine Gelehrsamkeit war, werden seine Schriften noch nach langer Zeit bezeugen.«

Zu sehen bis 1. November, Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
www.vereinigtedomstifter.de

Lebensechte Nachbildung: Julius Pflug in seinem wiedererstandenen Arbeitszimmer auf der Moritzburg. Aus überlieferten Inventaren weiß man etwa, was sich einst darin befand.
Blick in die Ausstellung: Porträts des Julius Pflug sind auf einem Buch­einband und diversen Medaillen zu sehen.
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EKM Süd aus Weimar

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