Dessau: Gottesdienst im Bauhaus-Café
… und das Gute behaltet

Heute Weltkulturerbe: Das Dessauer Bauhaus wurde in den Jahren 1925/26 errichtet.
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Es duftet köstlich, Kaffeemaschinen zischen und spenden fast im Minutentakt das beliebte Getränk. Auch leises Gläserklingen ist zu hören. Die Gespräche an den Tischen verstummen, als Klavier- und Gitarrenmusik erklingt und an ungewöhnlichem Ort ein Gottesdienst beginnt.
Zu den Traditionen jüngeren Datums gehören in Dessau-Roßlau die alternativen Gottesdienste im Weltkulturerbe Bauhaus. Die evangelischen Kirchengemeinden laden dazu an vier Freitagen im Jahr immer um 18 Uhr in das Café im Untergeschoss des markanten Gebäudes an der Gropiusallee ein. Zuletzt am 22. Februar, als es unter dem Thema »Quadratisch – praktisch – gut« um Bauhaus-Formen ging. Den Ausdruck »Form follows function« (»Die Form folgt der Funktion«) haben die Bauhäusler zwar nicht erfunden. Er stammt schon aus dem 19. Jahrhundert und aus den USA. Aber in dem vor 100 Jahren in Weimar gegründeten und von 1925 bis 1932 in Dessau ansässigen Bauhaus wurde der Ausdruck aufgegriffen und – von Architektur bis zur Entwicklung von Gebrauchsgegenständen aller Art – in die Praxis umgesetzt.
»Wenn das Funktionale in den Fokus tritt: Was heißt das in den Glauben übersetzt? Wie werden Ecken und Kanten erfahrbar?«, fragte zu Beginn Oberkirchenrätin Ramona Eva Möbius. »Dass die Form dem Inhalt folgt, ist eine geniale Idee und gut protestantisch«, befand Akademiedirektor Friedrich Kramer in seiner Predigt. »Man lässt weg, was nicht zwingend erforderlich ist.« Für das Heil erforderlich seien aber Taufe und Abendmahl. Auch Christen lebten in der Spannung zwischen der Tradition und dem Alles-neu-machen-wollen und müssten Antworten finden auf die Frage: Was ist für unsere Zeit angemessen? Es habe sich aber gezeigt: Was wirklich gut ist, ist auch noch in zehn, 100 oder 1 000 Jahren zu genießen. Deshalb gelte auch heute das Wort des Paulus: Prüfet alles und das Gute behaltet.
Aus Anlass des 100. Bauhaus-Jubiläums greifen die alternativen Gottesdienste seit Ende vorigen Jahres die Grundaspekte des Bauhaus-Stiles auf, zum Beispiel mit der Farbe Grau. Beim nächsten Gottesdienst im Bauhaus-Café am 24. Mai unter dem Motto »Glasklar durchschaut« steht die Rolle des Glases im Mittelpunkt. Zum Verhältnis von Kirche und Bauhaus plant die Landeskirche Vorträge und Konzerte, zum Beispiel am 19. Juni zum Thema »Bauhausmoderne und Religon«, am 6. September zu »Bauhaus und Esoterik« oder ein Konzert mit Orgelmusik der 1920er-Jahre am 28. September.
Angela Stoye

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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