Neuer Präses: Christian Preissner wirbt für das gemeinsame Gestalten der Zukunft der Landeskirche
Alle sollen mitdiskutieren und sich einbringen

Präses Christian Preissner war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2015 Oberstaatsanwalt.
  • Präses Christian Preissner war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2015 Oberstaatsanwalt.
  • Foto: Landeskirche Anhalts/Killyen
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Von Angela Stoye

Dass Christian Preissner einmal Präses der Landessynode Anhalts werden würde, hat er bis vor wenigen Monaten nicht geahnt. Doch im Juli 2018 verstarb mit Andreas Schindler der erst kurz zuvor einstimmig wiedergewählte verdienstvolle Präses. Und als im November die Neuwahl in dieses Amt auf der Tagesordnung stand, wurde auch Christian Preissner gefragt. »Ich habe gründlich überlegt, ob ich mir das zutraue«, sagt der 68-jährige Dessauer Oberstaatsanwalt im Ruhestand. Natürlich habe er auch seine Frau Jeanette gefragt, die sein stärkeres Engagement in der Kirche als berufstätige Juristin ja mittragen müsse, so Preissner. Die Landessynodalen hatten ihn gebeten zu kandidieren. Nach seiner Zusage wählten sie ihn am 24. November 2018 zum Nachfolger von Andreas Schindler.
Christian Preissner sieht seine neue Aufgabe als dienendes Amt. »Ich mache den Synodalen keine Vorschriften«, sagt er. »Eine Tagung soll so geschwisterlich wie möglich ablaufen.« Zwischen den Tagungen hält er engen Kontakt in die Kirchenkreise, um die Hauptaufgabe voranzubringen: den landeskirchlichen Transformationsprozess hin zu etwa 20 Gemeindeverbünden und genau so vielen Arbeitsgemeinschaften von Mitarbeitern. Das ist für Christian Preissner kein Neuland, gehört er doch seit 2012 als ordentliches Mitglied der Landessynode an und war damit an diesem Prozess von Beginn an beteiligt. Ziel ist es, das Bestehen der Landeskirche langfristig zu sichern. »Anhalt geht es zurzeit gut, und das wird auf absehbare Zeit so bleiben«, sagt der Präses. Doch es gebe Dinge, die man nicht in der Hand habe, die aber den Anstoß zum Zukunftsprozess gegeben hatten.

Mehrere Anstöße zur Veränderung

Anhalt sei mit noch gut 32 000 Mitgliedern die kleinste Landeskirche in der EKD. Das Problem: »Es wachsen zu wenig Gemeindemitglieder nach, weil bis heute viele Familien aus wirtschaftlichen Gründen die Region verlassen. Darunter leiden auch wir.« Auch die Mitarbeiterzahl könne sich verringern, weil innerhalb von zehn Jahren viele in den Ruhestand gingen, aber weniger junge Menschen Pfarrer oder Gemeindepädagoge werden wollten. »EKD-weit fehlen tausende Gemeindepädagoginnen und -pädagogen«, sagt Preissner, der seine Landeskirche in der EKD-Synode vertritt und dort auch von Problemen anderer hört. Dass Anhalt in den vergangenen Jahren mehrere engagierte Kirchenmusiker habe gewinnen können, stimmt ihn auch für die anderen Berufsgruppen hoffnungsvoll. Dass man nicht wissen könne, wie sich der Finanzausgleich unter den EKD-Gliedkirchen entwickeln werde, sei ebenso Anstoß zur Veränderung gewesen wie die immer wieder angefragten Staatsleistungen an die Kirchen. Obwohl: »Es gibt alte Verträge, und die werden nicht durch Alter unwirksam«, so der Jurist. Trotzdem tue Anhalt gut daran gerüstet zu sein, um sich nicht eines Tages in der Not irgendwo anschließen zu müssen. »Und das würde so kommen, würden wir nichts tun.«
Es freut ihn, dass in der Landeskirche bereits fünf Gemeindeverbünde auf der Basis vorläufiger Vereinbarungen existierten. Mit Blick auf das Ziel, dass bis zum Jahr 2022, maximal 2025, möglichst alle Kirchengemeinden zu einem Verbund gehören sollten, sagt er: »Hier gilt das Prinzip der Freiwilligkeit. Daran halten wir fest. Keine Kirchengemeinde soll gezwungen sein, einem Verbund beizutreten.«
Der Prozess solle sich aus den Gemeinden heraus entwickeln. Aufgabe der Landessynode sei es, Erfahrungen aus diesem Prozess eine rechtliche Basis zu geben, also Kirchengesetze und Verfassungsänderungen zu formulieren und zu beschließen. »Wichtig ist, nicht allein die Kirchenältesten, sondern alle Gemeindemitglieder in diesem Prozess mitzunehmen«, sagt Preissner. »Alle sollen mitdiskutieren und sich einbringen«, wird er nicht müde zu werben.

Schwerpunkte für die nächsten Jahre

Die nächsten Tagungen der Landessynode würden von Diskussionen darüber geprägt sein, wie die Arbeitsgebiete der Gemeindediakonie und der Verwaltungsfachkraft gestaltet sein sollen. Auf landeskirchlicher Ebene werde an einer Neuregelung für die Arbeitsgebiete kirchliche Arbeit mit Frauen, Arbeit mit Männern, Erwachsenenbildung und Gemeindeaufbau gefeilt. Das hatte die Landessynode im vorigen Herbst so beschlossen. »Das kann man nicht gelöst von anderen Veränderungen sehen«, betont Christian Preissner. Doch nach längeren Mitarbeiter-Vakanzen auf zwei Gebieten müsse endlich etwas geschehen.
Christian Preissner mag bis vor einigen Monaten nicht geahnt haben, einmal Präses einer Landessynode zu sein. Doch seiner Kirche in Ehrenämtern zu dienen, hat bei dem in Münster Geborenen von Jugend an Tradition. Auch während des Jurastudiums und später als Richter und Staatsanwalt in Verden an der Aller setzte er es fort. Seit seinem Wechsel 1991 nach Dessau gehört er zur Christusgemeinde Ziebigk, wo er 2005 in den Gemeindekirchenrat gewählt wurde. 2008 ließ er sich zum Lektor ausbilden. »Gottesdienst mit der Gemeinde zu feiern macht mir große Freude, und wenn ich merke, dass die Gemeinde etwas aus dem Gottesdienst mitnimmt, ist meine Freude noch größer«, sagt er. »Das ist fast noch schöner als Präses zu sein.«

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