Personalnotstand in der Pflege?
Wie die Diakonie Mitteldeutschland auf Pandemie reagiert

Der Diakonie Mitteldeutschland mit Sitz in Halle liegen derzeit keine Informationen über Erkrankte durch den Coronavirus in ihren Mitgliedseinrichtungen vor. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Christoph Stolte am 13. März dem Online-Portal der in Weimarer erscheinenden Mitteldeutschen Kirchenzeitung "Glaube+Heimat" (meine-kirchenzeitung.de). Die Diakonie Mitteldeutschland ist die Wohlfahrtsorganisation der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) und der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Mit 32.000 Mitarbeitern und mehr als 1.900 Einrichtungen ist die Diakonie der größte Arbeitgeber in der Region.

Herr Stolte, wie stellt sich für Sie die aktuelle Lage dar?
Stolte: Derzeit haben wir keine Informationen über Corona-Kranke bei unseren Mitgliedseinrichtungen. Unsere Einrichtungen sind grundsätzlich gut vorbereitet auf Situationen, bei denen erhöhter Hygienestandard erforderlich ist. Immer wieder werden unsere Einrichtungen mit sich schnell ausbreitenden Infektionskrankheiten konfrontiert. Mit den Gesundheitsämtern sind dann entsprechende Vorsichtsmaßnahmen abzustimmen. Darauf sind die Einrichtungen vorbereitet und können gut damit umgehen.

Welche Informationswege nutzen Sie dabei?
Stolte:
Wir informieren unsere Mitgliedseinrichtungen darüber, was uns von der Diakonie Deutschland oder aber den Landessozialministerien bekannt gemacht wird. Zuständig für alle Einrichtungen sind immer die Gesundheitsämter der Kreise und Städte. Die Behörden dort kommunizieren direkt mit den Einrichtungen.

Gibt es einen Krisenstab bei der mitteldeutschen Diakonie?
Stolte:
Der Vorstand und der Pressesprecher beraten täglich, welche Informationen über unseren Verteiler an die Einrichtungen gegeben werden.

In Halle sind Schulen und Kitas geschlossen. Wie gehen Sie damit um?
Stolte:
Einige unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben in Halle. Mit der Mitarbeitervertretung haben wir flexiblere Arbeitszeiten in der Geschäftsstelle vereinbart. Es ist auch möglich, von zu Hause aus zu arbeiten. Wir sind voll einsatzfähig und für unsere Mitgliedseinrichtungen erreichbar.

Wenn die Schul- und Kitaschließungen ausgeweitet werden, rechnen Sie dann mit einem Personalnotstand im Pflegebereich, weil Eltern Kinder zu Hause betreuen müssen?
Stolte:
Aus Thüringen bekommen wir aktuell Hinweise, dass die landesweiten Schulschließungen zu großen Problemen führen. Die Dienstpläne sind nicht zu halten, wenn je Einrichtung mehrere Mitarbeitende ausfallen, weil die Kinder zu Hause bleiben müssen. Zum Beispiel Alleinerziehende sind gar nicht in der Lage, so schnell eine Betreuung zu organisieren. Wir schauen mit Sorge auf diese Entwicklung.
Wird das in der Geschäftsstelle der Diakonie Mitteldeutschland übergreifend koordiniert?
Stolte: Nein, unternehmensübergreifend wird der Personalbedarf nicht koordiniert. Das machen unsere Träger selbst, die zum Teil über viele Einrichtungen verfügen.

Wie gehen Sie mit der finanziellen Mehrbelastung um? Wird ein Fonds für die Mitgliedseinrichtungen eingerichtet?
Stolte:
Bei uns entstehen vor allem zusätzliche Personalkosten, wegen der Mehrarbeit, die geleistet werden muss. Beispielsweise die Jugendhilfeeinrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche wohnen, müssen – wie aktuell in Halle – nach den Schulschließungen jetzt auch vormittags eine Betreuung vorhalten. Wir unterstützen unsere Einrichtungen, die Mehrkosten bei den Kostenträgern einzufordern.

Die Coronakrise überlagert fast vollständig die Flüchtlingsproblematik an der griechisch-türkischen Grenze und auf den griechischen Inseln. Was können Sie als Diakonie Mitteldeutschland tun, um zu helfen und das Leid zu lindern?
Stolte:
Wir rufen dazu auf, die Diakonie Katastrophenhilfe zu unterstützen. Das ist von unserer diakonischen Familie der Teil, der vor Ort humanitäre Hilfe leistet. Da sind im Moment deutlich mehr Spendenmittel erforderlich, um im Grenzgebiet und auf den griechischen Inseln wirksame Hilfe zu leisten.

Die Diakonie Sachsen unterstützt die Bemühungen der Hilfsorganisation „Mission Lifeline“ für mögliche Transporte von Kindern und Müttern aus dem Krisengebiet nach Deutschland. Wollen Sie sich auch daran beteiligen?
Stolte:
Unser Partner in der Diakonie ist unsere eigene Katastrophenhilfe. Die arbeitet vor Ort , so dass wir jetzt keinen anderen Verein, der an gleicher Stelle arbeitet, unterstützen.

Wäre die Diakonie Mitteldeutschland zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit?
Stolte:
Die Mitgliedseinrichtungen sind sehr schnell in der Lage unbegleitete Minderjährige aufzunehmen. Das hat die Vergangenheit gezeigt.

Europäische Länder schließen wegen des Coronavirus ihre Grenzen und andererseits wird gefordert, Flüchtlingen bei uns aufzunehmen. Ist das nicht ein Widerspruch?
Stolte:
Diese beiden unterschiedlichen Dinge sollten nicht miteinander vermischt werden. Bei der Grenzschließung geht es darum, die Ausbreitung des Virus zu verhindern und zum anderen geht es um humanitäre Hilfe, zu der wir verpflichtet sind. Es gibt ein breites Bündnis, dem auch die Diakonie angehört. Dieses Bündnis hat im Vorfeld der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gefordert, dass es keine europäische Asylrechtsreform auf Kosten der Menschenrechte und der Geflüchteten in den Grenzstaaten geben darf. Wir kritisieren den Vorschlag, dass Asylsuchende bereits an den europäischen Außengrenzen mit einem Schnellverfahrens abgefertigt werden sollen. Trotz der aktuellen Situation in unserem Land dürfen wir nicht versäumen politisch tätig zu werden. Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass durch eine Veränderung des Asylsystems Menschenrechte in Gefahr sind.

Die Fragen stellte Willi Wild

Autor:

Willi Wild aus Weimar

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