Wort zur Woche
Von Träumern und Realisten

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Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat!
Psalm 33, Vers 12

Das Volk Gottes ist die Gemeinschaft ungläubiger Träumer. Sie können nicht glauben, was sie sehen. Sie können nicht glauben, dass der Krieg in Syrien endlos und die Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern unlösbar sind. Sie können nicht glauben, dass es unabwendbar ist, dass aller 13 Sekunden ein Kind unter fünf Jahren durch Hunger stirbt. Sie können nicht glauben, dass Blinde blind bleiben und Gelähmte für immer und ewig an den Rollstuhl gefesselt sein müssen. Sie glauben auch nicht an Zahlen und ständiges Wirtschaftswachstum.
Im Volk Gottes glauben wir an die Liebe und an Wunder. Wir träumen davon, dass Friede sein wird zwischen Nachbarinnen und Kollegen, zwischen Religiösen und Konfessionslosen. Und dass es keine Einteilung mehr gibt zwischen Armen und Reichen, Schwachen und Starken. Wir träumen davon, dass Stacheldraht und Waffen nur noch im Museum zu finden sind, und dass Heckenschützen zu Tisch-tennis-Profis werden.
Wir sehen es schon vor uns, wie Löwen mit Appetit Stroh fressen. Und dass wir viel lieber Gemüse essen als Billigfleisch. Wir sehen sie schon vor uns, die heilige Stadt aus Gold, ohne Krankenhäuser, ohne Friedhöfe und ohne Taschentücher.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, ob du auch schon mal darüber nachgedacht hast, auszuwandern, ins Land der Realisten? Ich jedenfalls habe schon manchmal mit diesem Gedanken gespielt. Einfach das glauben, was ich sehe! Träume für Schaum erklären! Weil: Es dauert mir manchmal zu lange, und ich bin mir nicht sicher und die Träume sind oft so verschwommen! Außerdem: Ich möchte nicht irgendwann erben, sondern lieber jetzt schon besitzen! Manchmal möchte ich auswandern ins Land der Realisten. Aber es geht nicht! Denn ich komme nicht vorbei an dem Juden mit den ausgebreiteten Armen und mit den Narben an den Händen. Er läuft mir nach und trägt mich zurück. Und das ist gut so. Denn trotz aller Zweifel, trotz aller Fragen: Nirgends fühle ich mich so wohl wie in dem Volk, dessen Gott der Herr ist.
Angela Fuhrmann, Pfarrerin in Gotha 

Pfarrerin Angela Fuhrmann, Gotha
Autor:

Online-Redaktion

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