Projekte wie Kirchen mit Bienen, Spielplatz, Kunst und Betten
Buch „Ein neuer Typus Kirche“ ist erschienen

„Ein neuer Typus Kirche - Hybride öffentliche Räume“ lautet der aktuell erschienene Titel des zweiten Bandes der Reihe „StadtLand:Kirche“. Im Auftrag der Evangelischen Kirche in Mittel-deutschland (EKM) sowie des Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart an der Philipps-Universität Marburg und in Kooperation mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen ist das Buch beim JOVIS Verlag erschienen. Hintergrund ist ein gemeinsames Projekt der EKM und der IBA mit dem Ziel, die leeren oder wenig genutzten Kirchen in Mitteldeutschland wieder mit Leben zu füllen. Erhältlich ist das Buch in allen Buchhandlungen oder direkt: https://www.jovis.de/de/buecher/praxis/product/neuertypuskirche.html.

In Thüringen haben sich seit 2016 unter der Schirmherrschaft der EKM und der IBA Thüringen engagierte Bürger und Bürgerinnen zusammengeschlossen, um mit solidarischen Projekten ihre Kirchen als Orte der Gemeinschaft reaktivieren. „Bildeten Kirchen früher noch das Zentrum des Dorf- und Stadtlebens, führen kontinuierlich schwindende Mitgliederzahlen heute dazu, dass sie immer häufiger leer stehen oder sogar schließen müssen. Für uns stand die Frage, wie wir die Kirchengebäude wieder mit Leben füllen können“, erklärt Elke Bergt, Leiterin des Baureferates der EKM, den Hintergrund. Das neue Buch stelle die ambitionierten Projekte vor, erzähle von ihrem Fortschritt, von Erfolgen und Schwierigkeiten. „Die vorgestellten Projekte zeigen auf, wie lebensnahe weltliche Nutzungen das ursprüngliche Angebot der Kirche ergänzen können. Mitten im Dorf entsteht so ein neuer Typus Kirche als hybrider Ort“, so Bergt.

Auf den Aufruf von EKM und IBA Thüringen kamen für 500 Kirchen Ideen zusammen. Acht Modellprojekte sind daraus hervorgegangen, die in dem Buch genauer vorgestellt werden: Die soziokulturelle Zentrumskirche St. Martin aus Apolda, die Her(r)bergskirche St. Michaelis in Neustadt am Rennsteig, die Gesundheitskirche Vivendium St. Severi in Blankenhain, die Bie-nengartenkirche St. Peter und Paul in Roldisleben, ein meditativer Spielplatz in der Kirche St. Nicolai in Niedergebra, die digitale und soziale Netzwerkkirche St. Johannis in Ellrich, die noch leere Neue Kirche St. Peter und Paul in Donndorf sowie das Kunstprojekt Organ mit Carsten Nicolai in der Kapelle St. Anna in Krobitz.

Landesbischof Friedrich Kramer als Schirmherr des Projektes „500 Kirchen 500 Ideen“: „Wir Christen haben natürlich das beste Konzept für die Nutzung der Kirche. Dafür ist sie ja da: für‘s Singen, Beten, Loben. Wenn wir aber so wenige sind, dass wir sie dafür allein nicht mehr brau-chen, ist trotzdem die Kirche die Seele des Ortes. Es stellt sich dann die Frage, wie wir würdig mit ihr umgehen und etwas weiterentwickeln. Die Kirchen gehören nicht uns allein. Wir müssen sie in der und für die Gesellschaft erhalten und deshalb braucht es auch eine gemeinschaftliche Nutzung“.

Das Buch in Kürze:
„Ein neuer Typus Kirche - Hybride öffentliche Räume“, Jürgen Willinghöfer (Hg), 208 Seiten, 150 farb. Abb., ISBN 978-3-86859-699-1, 38 Euro (DE), jovis Verlag

Hintergrund:
Sie sind identitätsstiftend und ortsbildprägend, gelten als bauhistorischer und kultureller Schatz: 99 Prozent der etwa 2.000 evangelischen Kirchen in Thüringen stehen unter Denkmalschutz. Doch die Pflege und Wahrung von Grundstücken, Pfarrhäusern und Kirchen wird angesichts des
demografischen Wandels und abnehmender Kirchenmitgliederzahlen immer schwieriger.
Um die Kirchen als wertvolle Baudenkmale und spirituelle Orte erhalten zu können, müssen
neue Wege gefunden werden, sie wieder mit Leben zu füllen.

Autor:

susanne sobko aus Eisenach-Erfurt

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