Sonderausstellung "Entjudungsinstitut" kommentiert
Aufarbeitung geht weiter

Willi Wild
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Von Willi Wild
Tränen habe ich in den Augen. Eine Begebenheit bei der Eröffnung der Sonderausstellung zum kirchlichen „Entjudungsinstitut“ im Lutherhaus in Eisenach berührt mich zutiefst. Almuth Heinze (Viola) und Anna Fuchs-Mertens (Klavier) spielen das hebräische Lied „Slichot“, übersetzt: Vergebung. Ganz leise summt jemand die Melodie. Andere stimmen mit ein. Ich stelle mir vor, wie schwer es für die anwesenden Juden sein muss, sich den Zeugnissen dieser gottlosen, menschenverachtenden Einrichtung auszusetzen.
„Du bist zu mir gekommen, um meine Augen zu öffnen“, heißt es in dem Text des Liedes. 80 Jahre hat es gedauert, bis sich die beteiligten evangelischen Kirchen ihrer finsteren Geschichte gestellt haben. Es ist der Initiative von Landesbischöfin Ilse Junkermann zu verdanken, die die Aufarbeitung des pseudowissenschaftlichen Instituts und seines perfiden Auftrags, alles Jüdische aus der Bibel zu verbannen, maßgeblich vorangetrieben hat.
Jochen Birkenmeier, Kurator der Stiftung Lutherhaus, betont, dass die Sonderausstellung erst der Anfang sei. Nun müsse die Aufarbeitung in den Kirchengemeinden beginnen. Vergangenen Sonntag wurden in der Eisenacher Georgenkirche übermalte „jüdische“ Bibelverse wieder sichtbar gemacht. Auch Esra 9, Vers 6: „Mein Gott, ich schäme mich und scheue mich, meine Augen aufzuheben zu dir, mein Gott; denn unsre Missetat ist über unser Haupt gewachsen und unsre Schuld ist groß bis in den Himmel.“
Nächste Woche ist Rosch Haschana, der jüdische Neujahrstag. Ein Tag der Bilanz und des Gerichts. Die folgenden "ehrfurchtsvollen Tage" enden mit Jom Kippur, dem Versöhnungsfest. Vergebung kann erst passieren, wenn Schuld aufgedeckt und benannt wird.

Autor:

Willi Wild aus Weimar

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